Michael Moore wirft Bush in offenem Brief "Fahnenflucht" vor

1. September 2004, 19:08
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Regisseur nimmt Bushs Dienst in der Nationalgarde aufs Korn

New York - Vor dem Parteitag der Republikaner in der nächsten Woche hat der US-Filmemacher Michael Moore US-Präsident George W. Bush in einem Offenen Brief "Fahnenflucht" und Verleumdung vorgeworfen. Der Filmemacher, dessen Dokumentarfilm "Fahrenheit 9/11" derzeit erfolgreich in den Kinos läuft, schrieb in seiner typisch bissigen Art: "Man braucht wahren Mut, um von Ihrem Posten zu desertieren und dann einen verletzten Veteranen anzugreifen". Darüber ist ein Foto des jungen Bush in der Uniform der US-Nationalgarde zu sehen.

In seinem im Internet unter michaelmoore.com veröffentlichten Brief spielt der Regisseur damit zum einen auf Bushs eher laxen Dienst in der Nationalgarde an, durch den der Präsident seinerzeit dem Einzug nach Vietnam entgangen war. "Nichts kann es mit Ihrem Heldentum aufnehmen, als Sie am 2. Juli 1969 eine schwere Kopfverletzung erlitten, als feindliche Kämpfer einer anderen Gardeeinheit während einer Aufklärungsmission in einem benachbarten Mädchen-College ein Bierfass auf Ihren Kopf fallen ließen", heißt es in dem Brief. "Zum Glück war die kühle, milde Flüssigkeit, die aus dem Fass floss, genau das Richtige, um Sie wiederzubeleben. Was für eine Schande, dass Sie für diesen Vorfall nie eine Auszeichnung erhalten haben."

"Schnellbootveteranen für die Wahrheit"

Zum anderen spielt Moore in dem Einleitungssatz auf die jüngsten Vorgänge um die Wahlkampf-Aktionsgruppe "Schnellbootveteranen für die Wahrheit" an, die Bushs demokratischen Herausforderer John Kerry in einem Fernsehspot vorwerfen, sich während seines Einsatzes als Soldat in Vietnam zwei Auszeichnungen erschwindelt zu haben. Kerry war im Vietnam-Krieg Kommandant eines Schnellbootes und kehrte hoch dekoriert aus dem Krieg zurück.

Moore wirft Bush vor, hinter der Gruppe zu stehen. Kerry hatte vor einigen Tagen Beschwerde bei der Wahlaufsichtsbehörde FEC gegen den TV-Spot eingelegt, da dieser illegal mit dem Bush-Team koordiniert gewesen sei. Bushs Wahlkämpfer streiten dies ab, haben den Spot aber nicht klar verurteilt. Ein juristischer Spitzenberater Bushs trat am Mittwoch aus dem Team zurück, nachdem seine Verbindungen zu der Veteranengruppe ans Licht gekommen waren. (APA)

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