Greenspan mahnt Sozialreformen ein

8. September 2004, 14:01
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US-Notenbankchef: Überalterung der US-Bevölkerung zwingt zu Reformen - Keine Aussagen zur Entwicklung der US-Konjunktur

Jackson Hole - US-Notenbankpräsident Alan Greenspan hat zügige Reformen der sozialen Sicherungssysteme in den USA gefordert, um die finanziellen Belastungen durch die zunehmende Überalterung der Bevölkerung abzufedern. Wenn den Menschen mehr versprochen werde als die Wirtschaft bieten könne, müssten die Systeme zur Gesundheitsvorsorge und zur Alterssicherung angepasst werden, sagte Greenspan am Freitag auf einer Konferenz in Jackson Hole. "Wenn wir das hinausschieben, können die Anpassungen abrupt und schmerzhaft werden", warnte er. Zur Entwicklung der US-Konjunktur äußerte er sich nicht.

Zahl der 65-jährigen Amerikaner bis 2035 verdoppelt

Das Thema der Konferenz in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming war der Einfluss des demographischen Wandels auf die Weltwirtschaft. Bis zum Jahr 2035 könnte sich die Zahl der über 65-jährigen Amerikaner verdoppeln, was nach Einschätzung Greenspans große Löcher in die Haushalte reißen würde. Die USA stünden dank ihrer vergleichsweise liberalen Einwanderungspolitik allerdings besser da als Japan und einige europäische Länder.

Eine Anhebung der Einkommenssteuer, um Lücken im Sozialsystem und bei der medizinischen Versorgung zu stopfen, lehnte Greenspan ab. Dieser Schritt würde den Arbeitnehmern eine weitere Bürde auferlegen. Er favorisiere vielmehr die Anhebung des Rentenalters. Mit 78 Jahren ist Greenspan selbst ein Paradebeispiel eines im hohen Alter berufstätigen Amerikaners.

Produktivitätssteigerung

Eine Steigerung der Produktivität beschrieb der US-Notenbankchef als beste Möglichkeit zur Erhöhung des Bruttoinlandsprodukts. Die Rentenkassen blieben dadurch gefüllt und der Lebensstandard im Alter könne konstant gehalten werden. Allerdings hätten sich die Produktivitätsraten bereits in den vergangenen Jahren drastisch erhöht und es sei schwierig dieses Wachstum beizubehalten.

Greenspan forderte in diesem Zusammenhang Reformen des Bildungssystems, um die Produktivität auf hohem Niveau zu halten. "Der einzige Weg, mit dem ein hohes Wachstum der Produktivität sicher gestellt werden kann, ist der, sich mit einer seit langem überfälligen Verbesserung von Grundschulen und weiterführenden Schulen in den USA zu befassen", erklärte Greenspan. (APA/Reuters)

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