Revolution bei Versace

8. September 2004, 12:56
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Die Haupterbin Allegra Versace legte ein Sanierungskonzept für das angeschlagene Unternehmen vor und eliminierte ihre Familie aus dem Management

Allegra Beck-Versace, 18-jährige Lieblingsnichte des 1997 ermordeten Firmengründers Gianni Versace, sorgt für eine Revolution. Zwei Monate nach ihrem Geburtstag legte Allegra ein Sanierungskonzept vor: Die Familie steigt aus dem Management aus, der Mode-und Finanzexperte Giancarlo De Risio übernimmt die Geschicke des angeschlagenen Luxuskonzerns. Die Familie Versace, in erster Linie Mama Donatella verlässt das Management und als Vizepräsidentin degradiert zum künftigen Schattendasein. Onkel Santo, der Bruder des Ermordeten, bleibt zwar weiterhin Präsident, ist aber künftig nicht mehr für die Finanzen verantwortlich. Der ehemalige Luxuskonzern wird nicht verkauft.

Das hat Versace-Haupterbin Allegra nun beschlossen. Zudem sollen sich keine neuen Aktionäre am Gesellschaftskapital beteiligen. Nur mithilfe der Gläubigerbank Banca Intesa konnte Versace im letzten Moment den fälligen Unternehmensbond in Höhe von 100 Mio. Euro zurückzahlen.

Umstrukturierungen

Die Banca Intesa diktiert nun auch ihre Konditionen, weil sie überdies 20 Mio. Euro zur Verfügung stellt, damit Versace das normale Geschäft aufrechterhaltenkann. Vorerst sind daher die größten Finanzsorgen gelöst. Bei der geplanten Umstrukturierung und Straffung des Unternehmens verlässt sich Allegra nicht auf ihre Familie und schon gar nicht auf Mama Donatella, die derzeit versucht, sich durch eine Entziehungskur von ihrer Kokainabhängigkeit zu lösen. Donatella wird nachgesagt, dass sie durch ihren überholten Rockerstil und den Hang zum Glamour den Konzern an den Rand des Ruins brachte. Sie hält noch 20 Prozent der Versace-Anteile. Auch Santo gelang es bislang nicht, die Ausgabefreudigkeit seiner Schwester zu bremsen. Versace hat 2003 das schlechteste Ergebnis der 26-jährigen Firmengeschichte erzielt.

Rote Zahlen

Der Umsatz sackte im Vorjahr von 483 auf 403 Mio. Euro ab, der Verlust erhöhte sich von 5,8 auf 26,5 Mio. Euro. Sogar operativ lag der Modekonzern, nach kräftigen Wertberichtigungen und Abschreibungen, mit minus 21 Mio. Euro in den roten Zahlen. Die Verschuldung machte zu Jahresende 117 Mio. Euro aus. Mode- und Finanzexperte De Risio wird Anfang September mit der Sanierung starten. Der Kostenabbau soll durch den Verkauf der Versace-Häuser in New York und Madrid und des Luxusgebäudes in der Mailänder Innenstadt flankiert werden. Auf der Verkaufsliste steht auch die Versace Kosmetik- und Parfumfirma Giver.

Allegra interessiert sich vorerst nicht für das operative Firmengeschäft. Sie wird in die USA übersiedeln, um Schauspielerei zu erlernen. Inzwischen wird bei Versace der Sparstift dominieren: Erstmals hatte das Mailänder Modehaus im Sommer die Pariser Haute-Couture-Schau abgesagt. Bis zu vier Mio. Euro ließ sich das Haus bisher eine 20-Minuten-Schau kosten. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28./29.8.2004)

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