Gewerkschaft kritisiert Beschlüsse scharf

8. September 2004, 13:52
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Neue Doppelfunktion Vorm Waldes "unvereinbar" - Haberzettl: "Schmieren wird jetzt bei den ÖBB wieder leichter"

Wien - Harte Worte zu den heutigen Beschlüssen im ÖBB-Aufsichtsrat kommen aus der Gewerkschaft. Sowohl die Ernennung von ÖBB-Holding-Chef Rüdiger vorm Walde zum Vorstand der neuen Personenverkehrs AG als auch die Pläne zur Schwächung der ÖBB Dienstleistungs GmbH haben die Personalvertreter am Freitag abgelehnt. Eisenbahnergewerkschafts-Chef Wilhelm Haberzettl meinte nach der Sitzung zur Aufteilung der Kontrollaufgaben auf die Teilgesellschaften scharf: "Schmieren wird jetzt bei den ÖBB wieder leichter."

"Deutliche Verluste" durch Einkaufsmanagement

Durch die Aufspaltung von zentralen Agenden wie Ausschreibungs- und Einkaufskontrolle, Materiallogistik oder Buchhaltung auf die Teilgesellschaften Personenverkehr, Güterverkehr, Infrastruktur Bau und Infrastruktur Betrieb werde die Überwachung der Ausgaben deutlich erschwert, sagte Haberzettl Freitagabend zur APA. Außerdem, meint er, werde das Einkaufsmanagement, das dank Zusatzeinnahmen etwa im Bereich Fuhrpark und anderer ÖBB-Eigenleistungen bisher sogar positiv bilanziert habe, künftig nach der Aufteilung deutliche Verluste bringen.

Scharf auch die Kritik der Gewerkschaft an der Besetzung des Personenverkehrsvorstands. Haberzettl glaubt, dass die künftige Doppelfunktion Vorm Waldes als ÖBB-Holding- und Personenverkehrschef unvereinbar sei. Vorm Walde erhalte dadurch eine "Kontrollfunktion über sich selbst". "Der kann sich eine Strategie anschaffen, die er dann selbst umsetzt", befürchtet der Gewerkschafter.

"Kombination von Erfolg und Dynamik"

ÖBB-Aufsichtsrats-Chef Wolfgang Reithofer sieht in der Vorstandsbesetzung eine "Kombination von großem Erfolg und Dynamik", die vier bestellten Vorstände seien "bestens geeignet", erklärte er im "Ö1-Abendjournal" des ORF-Radio. Einmal mehr dementierte er jegliche politische Intervention bei der Personalauswahl.

Kritik war besonders am neuen Personenverkehrs AG-Vorstand Stefan Wehinger laut geworden. Wie Verkehrsminister Hubert Gorbach (F) ist er ein Vorarlberger, seine Bahnerfahrung beschränkt sich auf eine kurze Zeit bei der wenige Kilometer langen Montafonerbahn AG. "Wehinger ist kein Mitglied einer Partei", konterte Reithofer, der auch Chef des Baustofflieferanten Wienerberger ist.

Gestern, Donnerstag, war er zu diesem Thema noch direkter. "Diese Spekulationen sind Schwachsinn", erklärte Reithofer auf APA-Anfrage.

FPÖ entgegnet SPÖ-Kritik

Kritik von Seiten der SPÖ, wonach bei den ÖBB "politischer Postenschacher" üblich sei, entgegnete FP-Verkehrssprecher Klaus Wittauer: "Es wäre förderlich, wenn (SP-Verkehrssprecher, Anm.) Eder diejenigen in Ruhe arbeiten lassen würde, die nunmehr die ÖBB aus dem Sumpf ziehen, in welchen sie durch jahrelange verfehlte Verkehrspolitik roter Verkehrsminister geraten sind." (APA)

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