Vorm Walde bleibt ÖBB-Chef

8. September 2004, 13:52
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Der ÖBB-Holding-Chef leitet mit dem Exchef der Montafonerbahn, Stefan Wehinger, auch zusätzlich noch den Personenverkehr

Wien – Der neue Chef der reformierten Bahn wird der alte sein: Rüdiger vorm Walde, der 2001 Helmut Draxler an der Spitze der ÖBB nachgefolgt ist, bleibt Vorstandsvorsitzender in der ÖBB Holding AG und übernimmt zusätzlich das Ruder in der Personenverkehrs AG. Zweiter Vorstand der künftig eigenständigen Bahntochter wird Stefan Wehinger, der bis Ende des Vorjahres die Montafonerbahn geleitet hat. Diese Entscheidung gab der ÖBB-Aufsichtsrat am Freitag bekannt.

In den vergangenen Wochen und Monaten hatten sich Gerüchte verdichtet, dass vorm Walde in den Personenverkehr abgeschoben und sein Platz in der Holding freigemacht werden könnte für eine entscheidungsfreudigere Person. Vorm Waldes Vertrag läuft Mitte 2006 aus.

Die Entscheidung, wer in der Bahnholding dem in den Rechnungshof entschwundenen ehemaligen Kabinettchef der FPÖ, Josef Moser, nachfolgt, soll bei der nächsten Aufsichtsratssitzung Ende September fallen, hieß es. Rund 20 Kandidaten haben sich beworben, darunter Exverkehrsminister Mathias Reichhold und Gilbert Trattner, Geschäftsführer der Schienenbaugesellschaft HL-AG. Zuletzt hat auch der Chef der Mautgesellschaft Asfinag, Walter Hecke, Interesse an dem Bahnjob geäußert.

Aufteilung statt Bündelung

Fix sind die Vorstände der ÖBB Infrastruktur Betrieb AG: Mit Alfred Zimmermann und Peter Klugar übernehmen zwei lang gediente ÖBB-Manager diesen Bereich.

Entschieden ist nun auch, dass in der Dienstleistungs-GmbH nur die Personalagenden und die EDV gebündelt, Einkauf und Buchhaltung aber auf die neuen ÖBB-Teilunternehmen Personenverkehr, Güterverkehr, Infrastruktur Bau und Infrastruktur Betrieb aufgeteilt werden. Vor allem die Gewerkschaft hat sich im Vorfeld kritisch dazu geäußert und von einem ersten Schritt zum Abverkauf gesprochen.

Neben dem dritten Holdingvorstand soll bei der kommenden Aufsichtsratssitzung auch über die Vorstandsjobs in den verbleibenden Gesellschaften entschieden werden, für die die Bewerbungsfrist erst am Dienstag dieser Woche geendet hat. Bereits fix sind die Vorstände für die Bau AG: Nach Eintragung ins Firmenbuch werden dies Gilbert Trattner, der ÖBB-Mann Thomas Türinger und Georg-Michael Vavrovski von der HL-AG sein. Fix als Vorstand der Rail Cargo Austria ist bereits Ferdinand Schmidt, der im Bahnvorstand bisher neben dem Güterverkehr auch den Personenverkehr verantwortet hat. Um den zweiten Vorstandsjob im Cargobereich matchen sich Gerhard Leitner und Gustav Poschalko, die Chefs der Speditionsholding.

Kritik von SPÖ

Kritik an der Personalentscheidung gab es von SP-Verkehrssprecher Kurt Eder. "Anstatt die Bahn im internationalen Wettbewerb konkurrenzfähig zu machen, verlegt sich die Bundesregierung nur darauf, ihre Günstlinge und Freunde – hier vor allem jene von Verkehrsminister Hubert Gorbach – unterzubringen", sagte Eder. Er forderte das ÖBB-Kontrollgremium auf, "auch wie ein Aufsichtsrat zu agieren und wirkliche Experten an die Führungsspitze zu stellen". (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28./29.8.2004)

  • Stefan Wehinger (li.) und Rüdiger vorm Walde, Vorstandsvorsitzender der ÖBB-Holding AG, leiten die ÖBB Personenverkehr AG.
    foto: öbb

    Stefan Wehinger (li.) und Rüdiger vorm Walde, Vorstandsvorsitzender der ÖBB-Holding AG, leiten die ÖBB Personenverkehr AG.

  • Peter Klugar (li.) und Alfred Zimmermann übernehmen die Leitung der ÖBB Infrastruktur Betrieb AG.
    foto: öbb

    Peter Klugar (li.) und Alfred Zimmermann übernehmen die Leitung der ÖBB Infrastruktur Betrieb AG.

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