Rewe-Betriebsrat: Lohnpraxis "schnellstmöglich abstellen"

20. September 2004, 16:39
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Nach dem Vorwurf der Bezahlung von "Aushilfslöhnen" ohne Steuern und Abgaben eines Exmanagers fordert Betriebsratschef Alfred Greis eine rasche Klärung der Situation

Wien – Nach schweren Vorwürfen der Arbeiterkammer und eines entlassenen Managers gegen Rewe Austria (Billa, Merkur, Bipa, Mondo, Emma) – denen zufolge der Konzern für Löhne teilweise keine Steuern und Sozialabgaben abführe – will Rewe-Zentralbetriebsratschef Alfred Greis mit dem Vorstand eine rasche Klärung der Situation herbeiführen. "Das gehört schnellstmöglich abgestellt", so Greis.

Die AK hat ihre Informationen über die vermuteten Bezahlungsmethoden Rewes den zuständigen Behörden gemeldet, sagt AK-Jurist Hans Trenner. Eine eingehende Prüfung des Konzerns "in den nächsten Tagen" sei ihm versprochen worden, so Trenner.

Vorwürfe zurückgewiesen

Der Rewe-Konzern weist alle Vorwürfe, insbesondere jenen der Steuerhinterziehung, vehement zurück. Es gebe "keine schwarzen Kassen", so Rewe-Boss Veit Schalle.

Das habe auch niemand behauptet, kontern der Exmanager und die Arbeiterkammer, die seinen anhängigen Rechtsstreit mit Rewe juristisch begleitet. Trenner: "Aus den normalen ,weißen‘ Filialkassen wurde Geld entnommen und zur Bezahlung von Mehrarbeit an der Lohnbuchhaltung vorbei als so genannter Aushilfslohn ausbezahlt. Zum Teil wurden Beschäftigte auch mit Gutscheinen bezahlt." Das Problem: Versichert sind Mitarbeiter nur in offiziell abgerechneten Zeiten.

Die interne Konzernprüfung sowie externe Wirtschaftsprüfer hätten an dieser "bekannten und gebilligten" Praxis nichts auszusetzen gehabt, erzählt der entlassene Manager. Allfällige Steuernachzahlungen seien geleistet worden, vermutet er.

"Gegangen worden" sei der Exmanager, der 21 Jahre im Konzern arbeitete, weil ihm vorgeworfen wurde, er habe selbst Teile dieser Aushilfslöhne eingesteckt, erzählt der AK-Experte. Trenner: "Das impliziert, dass es die Aushilfslöhne gibt."

"Praktiken haben durchaus System"

Die Gewerkschaft der Privatangestellten meint, diese "Praktiken haben durchaus System". Die Vorwürfe bestätigten "Erfahrungen, welche die GPA schon viele Jahre hindurch in weiten Teilen des Handels macht". GPA-Mann Karl Proyer: "Vor allem bei den geringfügig Beschäftigten ist dem Missbrauch Tür und Tor eröffnet – dort wo sich die Leute nichts sagen trauen."

Rewe-Betriebsrat Greis: "Aushilfslöhne gab es früher auch, aber nicht mit System, sondern nur in Einzelfällen." Der Exmanager, der die von ihm selbst mitgetragene – behauptete – Praxis in der ZiB 2 aufgezeigt hat, dürfte jetzt ein neues Problem am Hals haben. Sein Gesicht wurde im Fernsehen derart schlecht "anonymisiert", dass im Rewe-Konzern bekannt wurde, um wen es sich handelt. (Michael Bachner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28./29.8.2004)

  • "Die aufgezeigten Praktiken haben durchaus System", meint die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA).
    foto: billa

    "Die aufgezeigten Praktiken haben durchaus System", meint die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA).

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