Neue Schilder denken mit, weil's Autofahrer zu wenig tun

8. September 2004, 08:49
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Wechselnde Tempolimits, Stauwarnungen und Hinweise: Verkehrsschilder mit variablen Botschaften sollen künftig den weiter wachsenden Straßenverkehr in Bewegung halten

Alpbach/Wien - Wenn schon manche Autofahrer unvernünftig sind, sollen künftig wenigstens die Verkehrszeichen intelligenter werden: Das ist die Vision hinter den "Verkehrsbeeinflussungsanlagen" (VBA), die bis 2008 auf allen heimischen Autobahnen stehen sollen. Anfang des kommenden Jahres startet der Testbetrieb in Tirol.

Überkopftafeln

28 Mio. Euro investiert der heimische Autobahnbetrieber Asfinag derzeit auf der Inntal- und Brennerautobahn. Auf Überkopftafeln werden künftig wechselnde Verkehrshinweise und kurzfristig angeordnete Tempolimits angezeigt, die den Verkehr flüssig halten und die Sicherheit erhöhen sollen.

Unfallzahlen sollen um bis zu 35 Prozent gesenkt werden

Durch die neuen Einrichtungen sollen die Unfallzahlen um bis zu 35 Prozent gesenkt werden können, gab sich Asfinag-Vorstandschef Walter Hecke am Rande des Technologieforums im Tiroler Konferenzort Alpbach sicher. Die Kapazität der Straßen könnte durch den Einsatz der Telematiksysteme um zehn bis 15 Prozent gesteigert werden.

Derzeit sind auf den beiden Tiroler Autobahnen gut die Hälfte der insgesamt 83 geplanten Informationsbrücken aufgestellt, Anfang 2005 soll der Echtbetrieb beginnen. Ab 2006 soll es die Infoportale mit den wechselnden Botschaften auf Wiener Stadtautobahnen geben, ab 2008 dann in ganz Österreich.

Besonders auf den Tiroler Transitrouten sind die VBA auch Hoffnungsträger in Sachen Verkehrsabgase: Sollten die Immissionen der durchfahrenden Autos den gesetzlich erlaubten Höchstwert überschreiten, kann über die Anlagen "flexibel" das Tempo beschränkt und so die Abgasbelastung reduziert werden.

An gefährlichen Stellen könnten die wandelbaren Tempolimits durchaus mit Radar kontrolliert werden, kündigte Hecke an. Ob eine automatische Kontrolle mittels "section control" auch bei wechselnden Geschwindigkeitsbegrenzungen funktioniert, wird man ab Mitte Oktober sehen. Dann soll auf einem sieben Kilometer langen Abschnitt der Südautobahn im Wechselgebiet eine Anlage in Betrieb gehen, die wetterabhängig das Tempo reguliert.

Andere Länder setzen ebenso auf die variablen Schilder. In Deutschland läuft derzeit ein 200 Millionen Euro teures Programm, bis zum Jahr 2007 will das dortige Verkehrsministerium insgesamt mehr als 1200 Autobahnkilometer mit den Anlagen ausstatten. Die rege Bautätigkeit auf den Straßen soll helfen, das weiter steigende Verkehrsaufkommen zu bewältigen.

34 Millionen neue Pkw

Bis 2015 soll der Güterverkehr in Europa um 30 Prozent wachsen, prophezeit das Schweizer Institut ProgTrans in einer am Freitag veröffentlichten Studie. Der Personenverkehr soll um 15 Prozent zunehmen, 34 Millionen Pkw mehr als heute sollen in elf Jahren auf den Straßen fahren, sagt die Studie. Ob dann trotz neuer Verkehrsbeeinflussungsanlagen noch sehr viel Platz zum Fahren bleibt, ist abzuwarten. (APA, moe/DER STANDARD, Printausgabe, 28./29.8.2004)

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