Hintergrund: "Todeskarawane" steht für Brutalität der Diktatur Pinochets

12. Dezember 2005, 10:27
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Sonderkommando spürte in ganz Chile Oppositionelle auf - Opfer wurden mit Dynamit zerfetzt oder zerhackt

Santiago de Chile - Der chilenische Ex-Diktator Augusto Pinochet muss sich nun wohl doch gerichtlich für die Verbrechen der so genannten Todeskarawane verantworten. Die "Todeskarawane" gilt als eines der brutalsten Verbrechen der Pinochet-Diktatur (1973-1990) in Chile.

Sondereinsatzkommando

Im Oktober 1973, nur einen Monat nach dem Putsch gegen den gewählten sozialistischen Präsidenten Salvador Allende, machten sich den Ermittlungen zufolge Sondereinsatzkommandos unter der Führung von mehr als einem Dutzend ranghoher Militärs auf ihren Todeszug durch ganz Chile und ermordeten insgesamt mehr als 70 Oppositionelle.

In Cauquenes im Süden Chiles, in La Serena, in Copiapo, in Antofagasta sowie in Calama im Norden fand die Karawane ihre Opfer in Straflagern und Gefängnissen. Der Anführer der Truppe, Ex-General Sergio Arellano, ließ durch seinen Anwalt wissen, die Leichen seien später mit Dynamit zerfetzt und in der Wüste versteckt worden. Die Witwe eines der in Calama Getöteten, Carmen Hertz, hat Hinweise darauf, dass manche Opfer zerhackt wurden.

Einer der beteiligten Soldaten des Sondereinsatzkommandos, Sergio Arredondo, sagte dem Ermittlungsrichter Juan Guzman Tapia, den Soldaten der Karawane sei klar gewesen, dass ihre Aufgabe Hinrichtungen seien. Ex-General Arellano habe ihm dies damals selbst mitgeteilt. Bei einem Prozess gegen Pinochet wäre es vor allem darum gegangen, welche Rolle der damalige Junta-Chef bei der Todeskarawane gespielt hatte.

3000 Tote

Insgesamt liegen gegen den Ex-Diktator mehr als 250 Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit mutmaßlichen Menschenrechtsverbrechen während seiner 17-jährigen Herrschaft vor. Erwiesen ist, dass in der Zeit mehr als 3000 Menschen spurlos verschwanden oder getötet wurden. (APA)

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