Augusto Pinochet drückte Chile seinen Stempel auf

12. Dezember 2005, 13:20
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Ex-Diktator ging gnadenlos gegen Tausende Regimegegner vor - Neoliberalismus-Modell war lange Vorbild für Südamerika

Santiago de Chile - General Augusto Pinochet hat Chile seit dem Militärputsch von 1973 gegen den sozialistischen Präsidenten Salvador Allende seinen Stempel aufgedrückt. Politische Gegner ließ er systematisch verfolgen. Andererseits modernisierte er die Volkswirtschaft mit neoliberalen Rezepten, was lange als Modell für Lateinamerika galt. "Ohne mein Wissen bewegt sich in Chile nicht einmal ein Blatt", war der Leitspruch Pinochets in den 17 Jahren seiner Gewaltherrschaft.

Pinochet selbst betrachtete sich als Retter des Vaterlandes vor dem Kommunismus; für viele war und ist er jedoch schlicht ein Mörder. Der Versuch der spanischen Justiz, dem Ex-Junta-Chef den Prozess zu machen, scheiterte im Frühjahr 2001 an der angeblich schlechten gesundheitlichen Verfassung Pinochets. Die Regierung in Großbritannien, wo der Ex-Diktator im Oktober 1998 auf Grund eines internationalen Haftbefehls festgenommen worden war, erlaubte ihm nach 16 Monaten von juristischem Hin und Her die Heimreise. Das dort zumindest in Gerichtsverfahren in Gang gesetzt wurde, gilt schon als Fortschritt in der jungen Demokratie.

Militärkarriere

Pinochet wurde am 25. November 1915 in Valparaiso geboren. Mit 21 Jahren avancierte er zum Heeresleutnant. Mehrere Jahre lehrte er an der Kriegsakademie Geopolitik und Militärgeografie. Erst 1969 wurde er zum Brigadegeneral befördert. Kurz vor dem Umsturz am 11. September 1973 ernannte Allende ihn zum Befehlshaber des Heeres.

Dass ausgerechnet Pinochet hinter den Putschisten stand, die am 11. September 1973 den gewählten Präsidenten Allende stürzten, war für viele eine Überraschung. Pinochet übernahm nach dem Staatsstreich die Führung in der Militärjunta, die jeden Widerstand mit Morden, Folterungen und Massenverhaftungen zu ersticken suchte. Er löste das Parlament auf, verbot die Arbeit politischer Parteien und Gewerkschaften und ordnete die Verhaftung Oppositioneller an. Allein in den ersten Monaten der Gewaltherrschaft wurden Hunderte von ihnen gefoltert und erschossen. Im Dezember 1974 erklärte sich Pinochet zum Präsidenten. Mit einem Plebiszit ließ er die von ihm erlassene Verfassung 1980 absegnen.

Mehr als 3000 Tote

Weit über dreitausend Menschen fielen dem Terror des Militärregimes zum Opfer. Weltweit geriet das Regime in die Isolierung. 1986 entkam der Diktator knapp einem Attentat. Als er 1988 per Referendum seine Amtszeit verlängern wollte, erteilte ihm das Volk eine Abfuhr. 55 Prozent der Wähler stimmten gegen Pinochet, der 1990 widerwillig die Macht abgab. Bis 1998 amtierte er als Heereschef und mischte sich dabei regelmäßig in die Politik seines Landes ein.

Geschäftsleute und Anhänger der Rechten in Chile schätzen Pinochet noch heute als den Mann, der dem Land ein in Lateinamerika beispielloses Wirtschaftswachstum beschert hat. Ungeachtet der hohen sozialen Kosten setzte Pinochet die neoliberalen Wirtschaftstheorien seiner Berater durch. International jedoch wurde er wegen der Menschenrechtsverletzungen isoliert. (APA/dpa)

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    Augusto Pinochet, Ex-Diktator

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