Kroatische Regierung lässt Faschisten-Denkmäler entfernen

3. September 2004, 15:45
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Begründung: Denkmäler schaden dem Ruf des Landes

Zagreb - Die Denkmäler für zwei Mitglieder der faschistischen Ustascha-Bewegung in Kroatien während des Zweiten Weltkriegs sind entfernt worden. Das berichtete das kroatische Fernsehen HTV am Freitag. Demnach hat die Regierung bei einer außerordentlichen Sitzung die Entfernung der Monumente für Mile Budak und Jure Francetic in ihren Geburtsorten Sveti Rok und Slunj am Vortag angeordnet.

Begründet hat die Regierung den Schritt in einer Aussendung mit der kroatischen Verfassung: Die Denkmäler würden dem Ruf des Landes schaden, zu dessen Schutz die Regierung laut Grundgesetz verpflichtet sei. Dem Beschluss vorausgegangen sind landesweite Proteste gegen die Denkmäler, denen sich auch Staatspräsident Stjepan (Stipe) Mesic angeschlossen hatte.

Budak-Monument erst vor kurzem enthüllt

Das Monument für den rassistischen Autor Budak war am 21. August enthüllt worden. Er war ein Vordenker der Ustascha-Bewegung und im Zweiten Weltkrieg in dem von Nazi-Deutschland unterstützten "Unabhängigen Staat Kroatien" Berlin-Botschafter sowie Erziehungs- und Religionsminister. In der zweiten Funktion war er für die Verabschiedung von Rassengesetzen gegen Juden, Serben und Roma verantwortlich. 1945 verurteilten ihn die Kommunisten Jugoslawiens wegen Kriegsverbrechen zum Tode; er wurde hingerichtet.

Von Auswanderern aus der Schweiz finanziert, wurde das Denkmal für Francetic im Juli 2000 im Ort Slunj, etwa 100 Kilometer südlich von Zagreb, aufgestellt. Francetic befehligte die berüchtigte "Schwarzen Legion", die Juden und Angehörige anderer Minderheiten verfolgte und systematisch ermordete. Kommunistische Partisanen nahmen ihn 1943 gefangen und erschossen ihn.

Unter ihrem Führer Ante Pavelic hatte die 1929 gegründete Ustascha-Bewegung ("Aufstand") nach der Zerschlagung Jugoslawiens durch Nazi-Deutschland 1941 in Kroatien eine vierjährige Terrorherrschaft errichtet. Ihre Mitglieder begingen unvorstellbare Gräueltaten und Massenmorde, insbesondere im KZ Jasenovac. (APA)

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