Neue Lehrpläne für die AHS-Oberstufe

5. September 2004, 19:35
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Seitenumfang des Lehrplans sinkt - Kern- und Erweiterungsbereiche vorgesehen

Wien - Das Unterrichtsjahr 2004/05 bringt für die Schüler in der AHS-Oberstufe neue Lehrpläne. Sie knüpfen damit nahtlos an den seit 2000/01 geltenden "Lehrplan 99" für die AHS-Unterstufe bzw. die Hauptschule an und teilen den Lehrstoff in Kern- und Erweiterungsbereiche. "Der Spruch 'Ich kann dir das nicht erklären. oder ich habe keine Zeit, weil ich den ganzen Lehrstoff durchbringen muss, den gibt's jetzt nimmer' ", meinte Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) im APA-Gespräch in Richtung Lehrer. Nun gebe es für die Zehn- bis 18-Jährigen durchgängig schlanke bzw. "entrümpelte" Lehrpläne.

Das Wesentliche

Die bisherigen Rahmenlehrpläne für die Oberstufe enthielten jeweils maximale Stoffangaben, aus denen die Pädagogen für ihre Unterrichtsgestaltung frei auswählen konnten. Nun sollen sie sich auf das Wesentliche konzentrieren - aufgezeigt wird in den neuen Vorgaben, was die Schüler am Ende des Jahres können sollen. Für die einzelnen Gegenstände wird der Stoff viel straffer angegeben: So sinkt der Seitenumfang des Lehrplans etwa für Mathematik von 27 auf sechs, für Geografie von 40 auf 15 und für Physik von 18 auf vier.

Wichtigster Punkt der mit dem "Lehrplan 99" eingeleiteten größten Lehrplanreform seit Mitte der 80er Jahre ist die Teilung des Stoffs in einen Kernbereich und in einen Erweiterungsbereich, wobei zwei Drittel der Unterrichtszeit für den Kernstoff und ein Drittel für die Festigung bzw. die Erweiterung (autonomer Gestaltungsraum) reserviert sind.

Lehrer entscheiden

Der einzelne Lehrer setzt letztlich fest, wann er den Kernbereich unterrichtet oder erweiternde Fähigkeiten vermittelt. Im Erweiterungsbereich ist Platz für vieles: Vertiefungsmöglichkeiten, Schwerpunkte, Projektarbeit, fächerübergreifendes Arbeiten, die Förderung von Begabten, aber ebenfalls Festigung, wenn der Kernstoff bei den Schülern noch nicht sitzt.

Weitere Projekte der Bildungsministerin: Die Erprobung der heuer präsentierten Bildungsstandards für Mathematik an 108 Schulen sowie die Ausarbeitung weiterer Standards und der Beginn der "Leadership Academy" für 300 Führungskräfte aus dem Schulbereich. Direktoren, Schulinspektoren sowie Ministeriums- und Landesschulratsmitarbeiter sollen dabei etwa Personalführung, Konfliktmanagement und zielorientiertes Arbeiten trainieren.

Nachmittagsbetreuung

In der Nachmittagsbetreuung sollen ab dem Schuljahr 2004/05 10.000 Plätze mehr zur Verfügung stehen - insgesamt also 53.000. "Wenn man nächstes Jahr noch mehr braucht, wird man drüber reden müssen", so Gehrer. Die Aktion "Lesefit" will die Ministerin auf die Kindergärten ausweiten: "Schon bei der frühkindlichen Erziehung wollen wir Anstöße zur Vorbereitung auf das Lesen geben." Dies solle auch in die Aus- und Weiterbildung der Kindergärtnerinnen einfließen.

Wie angekündigt soll auch das "Frühwarnsystem" für vom Sitzenbleiben bedrohte Schüler vom zweiten ins erste Semester vorverlegt werden. Außerdem dringt Gehrer darauf, den Förderunterricht flexibler und punktgenauer einzusetzen: In der Volksschule, Hauptschule und AHS-Unterstufe stünden dafür bis zu 36 Stunden pro Jahr zur Verfügung. Diese sollten aber nicht automatisch jede Woche angeboten werden: "Da muss ich im Oktober feststellen, welche Kinder das brauchen, und dann biete ich einen Intensivkurs an." (APA)

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