Ölpreis im freien Fall

20. September 2004, 17:03
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Statt mehr als 50 nur 43,18 Dollar - Auch Benzin-, Heizöl- und Erdgaspreise in den vergangenen Tagen stark gefallen

New York - Entgegen den weit verbreiteten Prognosen sind die Ölpreise in der vergangenen Woche kräftig abgesackt. Sie brachen in New York um 12,59 Prozent auf 43,18 Dollar (35,73 Euro) je Barrel (159 Liter) ein - statt auf mehr als 50 Dollar zu klettern, wie von vielen Experten vorhergesagt. Auch die Benzin-, Heizöl- und Erdgaspreise sind in den vergangenen Tagen stark gefallen.

Rohöl hatte am New Yorker Warenterminmarkt Nymex am 19. August zeitweise ein Rekordniveau von 49,40 Dollar erreicht, ehe eine viertägige Talfahrt einsetzte. Jetzt reden einige Fachleute plötzlich von Ölpreisen unter 40 Dollar statt von mehr als 50 Dollar.

Hektische Handelstage

Rohöl zur Oktoberauslieferung hatte nach vier hektischen Handelstagen allerdings einen relativ ruhigen Wochenausklang und legte am Freitag an der Nymex minimal um acht Cent auf 43,18 Dollar zu. In London stieg der Preis für Brent-Öl am Freitag um 31 Cent auf 40,64 Dollar je Barrel, doch hatte es dort in den vorangegangenen Tagen ebenfalls massive Preiseinbrüche gegeben.

Die "Risikoprämien" für Öl sind in den vergangenen Tagen erheblich geringer geworden. Die für die Ölmärkte relevanten politischen und wirtschaftlichen Ereignisse waren nicht mehr so negativ. Die Lage in Venezuela, einem großen OPEC-Mitglied, hat sich nach einer Volksabstimmung um die Zukunft des Präsidenten Hugo Chavez entspannt. Die befürchteten Unruhen mit Unterbrechungen der Öllieferungen sind ausgeblieben.

Ungelöste Probleme

Trotz der ungelösten Steuerprobleme des größten russischen Ölexporteurs Yukos scheint es auch dort keine Exportausfälle zu geben. Die Friedensvereinbarungen in der irakischen Pilgerstadt Najaf ließen Hoffnung auf eine Entspannung in der wichtigen Ölregion im Süden des Landes aufkommen.

In den USA läuft zudem die Sommerreisesaison in einigen Tagen aus. Dies wird schlagartig zu einem starken Rückgang des Benzinverbrauchs führen. Die Heizölsaison wird dann noch einige Zeit auf sich warten lassen. Zwischenzeitlich nehmen Raffinerien Wartungsarbeiten vor und benötigen weniger Rohöl.

Spekulanten

Zahlreiche Spekulanten haben sich angesichts des plötzlichen Trendumschwungs rasch aus dem riskanten Öl-Terminhandel zurückgezogen. Dies verschärfte den Abwärtstrend an den Ölmärkten noch. Allerdings haben viele große Hedge-Fonds, die mit ihren Spekulationen mit zu dem Höhenflug der Ölpreise während der vergangenen Wochen beigetragen hatten, vorerst eine abwartende Haltung eingenommen.

Viele Fachleute verwiesen allerdings auch auf die weiterhin sehr geringen freien Produktionskapazitäten der OPEC, das knappe globale Ölangebot und mögliche weitere Lieferunterbrechungen durch Terroranschläge im Irak oder Saudi Arabien. Die starke weltweite Ölnachfrage halte an. Die USA wollen ihre großen strategischen Ölreserven nur in wirklichen Versorgungsnotfällen in Anspruch nehmen. (APA/dpa)

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