Erhaltung der Stimme bei Kehlkopfkrebs möglich

6. September 2004, 12:43
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Neues hoch spezialisiertes chirurgisches Verfahren macht dies in vielen Fällen möglich

Frankfurt/Main - Patienten mit Kehlkopfkrebs können inzwischen selbst im späten Stadium noch auf den Erhalt ihrer Stimme hoffen. Dank neuer Methoden lässt sich der Tumor in 60 Prozent der fortgeschrittenen Fälle auch ohne Entfernung des Kehlkopfes bekämpfen, wie der Direktor der Frankfurter Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Wolfgang Gstöttner, berichtet. Möglich wird dies zum einen durch eine Kombination aus Chemo- und Radiotherapie und zum anderen durch ein neues hoch spezialisiertes chirurgisches Verfahren.

Allein in Deutschland erkranken jedes Jahr rund 3.000 Menschen an so genannten Larynxkarzinomen. Frauen sind nach wie vor deutlich seltener betroffen, allerdings steigt ihr Anteil in den letzten Jahren kontinuierlich an. Zugleich erkranken immer mehr jüngere Menschen, während bis vor zehn Jahren die Patienten zum Zeitpunkt der Diagnose noch überwiegend zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr waren. Ein hohes Erkrankungsrisiko haben vor allem Menschen, die viel rauchen und übermäßig Alkohol trinken oder beruflich bestimmten Krebs erregenden Stoffen ausgesetzt sind.

Künstlich angelegte Atemöffnung

"Viele Tumore werden erst in einem sehr weit fortgeschrittenen Stadium entdeckt, weil die Patienten meist nur über unspezifische Beschwerden wie Heiserkeit oder Schluckbeschwerden klagen", sagt Gstöttner. Daher musste noch bis vor kurzem in den meisten Fällen der Kehlkopf vollständig entfernt werden, was den dauerhaften Verlust der Stimme zur Folge hatte. Da nach der Operation auch die Verbindung zwischen Speise- und Luftröhre fehlte, erhielten die Patienten eine künstlich angelegte Atemöffnung: Die Luftröhre wurde über dem Brustbein durch ein Ventil in der Haut nach außen geleitet.

Auch heute noch kann eine solche Kehlkopfentfernung nicht immer verhindert werden, wie Gstöttner betont. In diesen Fällen müssen die Patienten lernen, entweder über die Speiseröhre zu sprechen oder sich mit Hilfe eines Sprechventils zwischen Luft- und Speiseröhre zu verständigen. Im Vordergrund steht aber mittlerweile bei jedem Patienten die Suche nach einer geeigneten Behandlung, mit deren Hilfe das Organ erhalten werden kann.

Alternative

Eine der neueren Alternativen ist die kombinierte Radiochemotherapie, die den Tumor verkleinern kann. Führt an einem chirurgischen Eingriff kein Weg vorbei, empfehlen die Experten eine Laser-Operation, bei der der Tumor von der Mundhöhle aus unter Erhalt des Kehlkopfes schonend aus dem umliegenden Gewebe herausgeschnitten wird. Dieses Verfahren sollte nach Angaben Gstöttners aber nur an besonders versierten und spezialisierten Zentren mit hohen Patientenzahlen durchgeführt werden. (APA/AP)

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