Opel will Nullrunde und unbezahlte Mehrarbeit durchsetzen

8. September 2004, 13:55
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Forderungskatalog des neuen Vorstandschefs sieht Rückkehr zur 40-Stunden-Woche und Streichung von Zulagen vor - Betriebsrat kämpft für Jobgarantie bis "mindestens 2010"

Hamburg/Rüsselsheim - Opel plant harte Sparmaßnahmen und die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche für die Beschäftigten der westdeutschen Werke Rüsselsheim, Bochum und Kaiserslautern. Eine Konzernsprecherin bestätigte in Rüsselsheim einen Bericht der "Bild"-Zeitung vom Freitag, wonach der Forderungskatalog des neuen Vorstandschefs Hans Demant vorsieht, Tariferhöhungen bis 2009 nicht an die Mitarbeiter weiterzugegeben. Grund sei, dass in diesen drei Werken bereits 15 Prozent über dem Branchendurchschnitt verdient werde. "Der Katalog entspricht der Wahrheit", sagte die Sprecherin. Der Opel-Betriebsrat kämpft für eine Jobgarantie.

Zuschläge werden gestrichen

Die tariflichen Lohnerhöhungen sollen nach den Vorstellungen der Konzernleitung den betroffenen Arbeitern in Rüsselsheim, Bochum und Kaiserslautern so lange nicht ausgezahlt werden, bis die branchenüblichen Löhne das derzeitige Lohnniveau bei Opel erreicht haben. Zudem sollen die Zuschläge von zehn Prozent für Spätschichten und 25 Prozent für Nachtschichten gestrichen werden. Alternativ prüft der Konzern die Verlängerung der Arbeitszeit: Die Mitarbeiter sollen bis zu 40 Stunden pro Woche arbeiten, aber nur 35 bezahlt bekommen.

"Diskussionsgrundlage"

Weiterhin sieht das von Opel als "Diskussionsgrundlage" bezeichnete Papier demnach eine Erhöhung der Bandgeschwindigkeiten beziehungsweise Reduzierungen der Vorgabezeiten vor. Außerdem stehen Extrazahlungen wie "Hitzepausen" von zehn Minuten pro Schicht bei Temperaturen über 30 Grad Celsius auf dem Prüfstand. Das Gleiche gilt auch für "Erschwerniszulagen" und "Antrittsprämien" bei Sonderschichten. Auch das Weihnachtsgeld soll von 70 Prozent eines Gehaltes im vergangenen und 130 Prozent in diesem Jahr auf 55 Prozent gekürzt werden.

Belegschaftsvertreter wollen Jobgarantie bis 2010

Die Arbeitnehmervertreter des defizitären Rüsselsheimer Autobauers bestehen auf einer Jobgarantie bis "mindestens 2010". Außerdem forderten sie Produktions- und Investitionszusagen für die einzelnen Standorte sowie die Sicherung bestehender Einkommen sowie den Erhalt der Ausbildung. Dabei orientiert sich der Opel-Betriebsrat klar an dem Vorbild von DaimlerChrysler, wo auch die Manager einen Sparbeitrag leisten. Betriebsratschef Klaus Franz hatte ähnliches auch von der Opel-Konzernspitze gefordert. (APA)

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