Neu entwickelter Plastikmagnet funktioniert bei Zimmertemperatur

3. September 2004, 15:52
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Möglicher Einsatz in der Medizintechnik oder für Festplatten

London/Wien - Die Liste von Eigenschaften, die Kunststoffen nicht angezüchtet werden können, wird kleiner. Mit zunehmendem Erfolg können Forscher den Materialien selbst Magnetismus einhauchen. Wissenschafter um Naveed Zaidi von der University of Durham (Großbritannien) melden laut der Wissenschaftszeitschrift "New Scientist" die Entwicklung des ersten Plastikmagneten quasi für den täglichen Gebrauch, der auch bei Zimmertemperaturen funktioniert.

Schon mehrfach haben Wissenschafter Arbeiten über magnetischen Kunststoff veröffentlicht, allerdings arbeiteten diese nur bei extrem niedrigen Temperaturen. Magnetismus wird generell durch Bewegung elektrisch geladener Teilchen erzeugt. In magnetischen Metallen, etwa Eisen, Nickel oder Kobalt, sind Elektronen und deren Spin (Drehimpuls) für das Phänomen verantwortlich.

Komponenten

Zaidi und seine Mitarbeiter haben ihr Magnet-Plastik aus zwei Komponenten zusammengesetzt, das eine ein bestimmtes Polyanilin namens Emeraldin (PANi) und Tetracyanoquinodimethan (TCNQ). Während PANi als metallähnlicher elektrischer Leiter bekannt ist, liefert TCNQ so genannte Freie Radikale. Die Anordnung der Freien Radikalen ist es auch, welche die Wirkung der Elektronen in Metallen gleichsam nachahmt und so den Magnetismus hervorruft.

Eine frisch hergestellte Mischung zeigte nur geringe Anzeichen von Magnetismus und die Forscher wollten ihre Experimente schon aufgeben. Nach einigen Monaten checkte das Team noch einmal die Sache und siehe da, die Wirkung hatte sich erheblich verstärkt. Eine Röntgenanalyse ergab, dass sich tatsächlich Polymerketten auf bestimmte Art ausgerichtet hatten und so die magnetische Wirkung verstärkten.

Einsatzgebiete

Im Vergleich etwa zu Metallen ist der Magnetismus des Kunststoffs nach wie vor schwach, aber immerhin tauglich, um Eisenfeilspäne vom Labortisch anzuziehen. Die britischen Forscher sind zuversichtlich, neue bessere Mischungen entwickeln zu können. Das Magnet-Plastik könnte etwa für eine völlig neue Generation von Computerfestplatten eingesetzt werden. Aber auch etwa in der Medizintechnik wäre das Material von Vorteil. (APA)

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