Steuerbehörden bestehen auf digitaler Signatur

6. September 2004, 10:40
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Die Erweiterung des Umsatzsteuerrechts für elektronisch versandte Rechnungen hat ihre Tücken

"Der kostengünstige elektronische Rechnungsversand per E-Mail wird von Unternehmen immer mehr in Anspruch genommen. Doch wer sich mit der damit verbundenen Gesetzgebung nicht auskennt, läuft Gefahr, bei einer Steuerprüfung hohe Rückzahlungen ans Finanzamt leisten zu müssen", sagt Helmut Durinkowitz, Marketingverantwortlicher des heimischen Start-ups it20one.

"Tut er das nicht, kann es passieren, dass das Finanzamt diese Rechnungen nicht akzeptiert"

Der Hintergrund: Mit der am 23. Dezember 2003 verabschiedeten 583. Verordnung zum Umsatzsteuergesetz wurde auch die Vorsteuerabzugsfähigkeit bei ausschließlich elektronisch vorliegenden Rechnungen geregelt. Um etwaigem Betrug gleich im Vorhinein einen Riegel vorzuschieben, bedarf die Rechnung jedoch einer elektronischen Signatur. Diese soll einerseits für den Rechnungsempfänger den Absender der Rechnung eindeutig erkennbar machen, andererseits verhindern, dass das elektronisch empfangene Dokumente nachträglich verändert werden werden können. Der Rechnungsempfänger hat die Pflicht, die Signatur bei der ausstellenden Behörde zu prüfen - in Österreich ist das die A-Trust - und diese Prüfung für den Steuerprüfungsfall abzuspeichern. "Tut er das nicht, kann es passieren, dass das Finanzamt diese Rechnungen nicht akzeptiert", so Durinkowitz und verweist auf einen Fall im benachbarten Deutschland. Hier habe das Brandenburger Finanzamt alle nicht signierten elektronischen Rechnungen eines Partners der Firma bytecamp nicht anerkannt und einen fünfstelligen Eurobetrag an Umsatzsteuern einbehalten. it20one macht auf diese kleine Hürde im Gesetzestext nicht ganz ohne Grund aufmerksam. Schließlich hat sich das Unternehmen auf die Verarbeitung von digital signierten elektronischen Rechnungen spezialisiert. Das dafür angebotene Produkt Invoice20one Enterprise verschlüsselt, signiert und versendet die Rechnungen automatisch via Internet an die Kunden. "Jährlich werden in Österreich derzeit rund 800 Mio. Papierrechnungen versandt, davon 300 Mio. in regelmäßigen Abständen. Da lässt sich viel sparen", ist it20one Geschäftsführer Karl Weintögl überzeugt.

"Doch schon im nächsten Jahr rechnen wir mit mehrstelligen Millionenumsätzen"

In den nächsten fünf bis sechs Jahren schätzt Weintögl, erfolgt der Großteil des Rechnungsversands von Unternehmen elektronisch. Noch befinde sich it20one, mit seiner Lösung in einem Nischenmarkt. "Doch schon im nächsten Jahr rechnen wir mit mehrstelligen Millionenumsätzen", gibt sich der Unternehmenschef optimistisch. (Karin Tzschentke, DER STANDARD Printausgabe, 27. August 2004)

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