Schwere Vorwürfe gegen Rewe Austria

20. September 2004, 16:39
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Ein entlassener Manager beschuldigt den Konzern, Mitarbeiter nicht korrekt zu bezahlen – Unternehmen weist Vorwürfe zurück

Wien - Von neuen Vorwürfen gegen den größten österreichischen Handelskonzern, die Rewe-Gruppe, die u.a. Billa, Merkur und Bipa betreibt, berichtete am Donnerstag die "ZiB 2". Angeblich würden Angestellte nicht korrekt bezahlt, die Arbeiterkammer wirft Billa vor, bei den Löhnen Steuern und Sozialabgaben zu hinterziehen. Der Rewe-Konzern wies diese Vorwürfe kategorisch zurück. "Schwarze Kassen gibt es nicht", erklärte Rewe-Generaldirektor Veit Schalle gegenüber der "ZiB 2".

Menschenverachtendes System

Ein entlassene Rewe-Manager - der, wie er selbst formulierte, "zum inneren Zirkel des menschenverachtenden Systems" im Handel gehörte -, behauptete in der "ZiB 2", er sei "gezwungen worden", Löhne teils schwarz auszuzahlen - und er sei entlassen worden, weil er das Lohndumping bei den Mitarbeitern nicht mehr mittragen wollte.

"Die sind zehn Stunden angemeldet, arbeiten 40 oder 50 Stunden, die Differenz bekommen sie mit Aushilfslöhnen ausgezahlt, die sind aber nicht versichert", erklärte er. Auf die Frage, ob die Differenz also schwarz ausgezahlt werde, meinte er: "So kann man sagen."

Er hat sich an die Arbeiterkammer gewandt, so wie Mitarbeiter eines anderen Rewe-Betriebes. Billa-Mitarbeiter fühlten sich um ihren Lohn betrogen, sagte der AK-Jurist Hans Trenner. Er kämpft für mehrere Mitarbeiter - u.a. für einen, der "gesagt hat, ich will korrekt gezahlt bekommen und die wahren Stunden in den Computer eingetragen hat. Mit dem Ergebnis, dass er gekündigt worden ist. " Dieser Mitarbeiter habe geklagt und in der ersten Instanz gewonnen. Das Landesgericht Wr. Neustadt hob die Kündigung gerichtlich auf und befand, dass Billa zahlen müsse. Der Konzern hat das Urteil angefochten.

Zweites Lohnauszahlungssystem

Auch von schwarzen Lohnauszahlungen berichtete Trenner. Laut AK existiere im Konzern ein zweites Lohnauszahlungssystem. "Offenbar ist es so, dass Mitarbeiter, die nicht bereit sind, unbezahlt zu arbeiten, die Möglichkeit erhalten, über die Aushilfslöhnen einen Lohn zu erhalten, aus der Kassa, da wird dann ein Beleg hineingelegt, dass die Kassa wieder stimmt. Diese Zahlungen gehen am Steuer- und Sozialsystem vorbei."

Rewe-Generaldirektor Veit Schalle erklärte laut "ZiB 2", dass es keine schwarzen Kassen gebe. Das würde den Konzernrichtlinien widersprechen und wäre strikt verboten. Wenn Überstunden nicht bezahlt worden seien, dann sei das zu prüfen. Allerdings - so Schalle in seiner Erklärung gegenüber der ZiB wörtlich - "es gibt bisweilen Differenzen zwischen aufgezeichneten und tatsächlich geleisteten Überstunden".

Konzernmutter dementiert

Seitens des Rewe-Konzerns in Deutschland hieß es in einer Stellungnahme, dass Rewe Austria laufend von verschiedensten Sozialversicherungs- und Steuerbehörden überprüft werde. Dabei sei es nur in ganz wenigen Fällen zu Beanstandungen gekommen. Bei den Vorhaltungen über die zehn Stunden handle es sich offenbar um geringfügig Beschäftigte. Für diese sei heuer kein einziges arbeitsrechtliches Verfahren anhängig.

Weiters wird erklärt, dass es zur sofortigen, fristlosen Entlassung führe, wenn sich ein leitender Angestellter nicht an die gesetzlichen oder hausinternen Vorgaben halten sollte, gegebenenfalls verbunden mit einer Strafanzeige.

Vorwürfe gegen die Rewe-Gruppe gibt es auch in einem anderen Bereich: Seit mehreren Wochen ermittelt die Bundeswettbewerbsbehörde gegen die Rewe Austria wegen angeblicher Knebelungsverträge für Lieferanten. (APA)

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    Rewe-Austria-Chef Veit Schalle

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