Die Schuld und keine Beleidigung

1. September 2004, 10:31
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Teamchef Hans Krankl und 23 Fußballer probieren es gegen England und Aserbaidschan

Wien - Als Plaudertasche konnte Hans Krankl gestern nicht bezeichnet werden, er wickelte einen Pflichttermin maximal pflichtgemäß ab. Der Teamchef nannte seinen (den österreichischen) Kader für gleich zwei WM-Qualifikationsspiele im Wiener Happel-Stadion, jenes gegen England am 4. September und jenes gegen Aserbaidschan nur vier Tage später. "Mit Aserbaidschan beschäftige ich mich jetzt nicht", sagte er forsch.

Vielleicht trübte seine Laune das Video vom Deutschland-Match, welches er in aller Ruhe geschaut hat, die Partie endete auch auf diesem Band mit 1:3. "Über Deutschland rede ich nicht mehr."

Drei Torleute (Manninger, Mandl, Schranz) und 20 Feldspieler wurden einberufen, zwei, nämlich Gernot Sick (GAK) und Andreas Ibertsberger (Salzburg), zum ersten Mal, "weil sie es verdient haben." Es sind die Neulinge Nummer 31 und 32 in Krankls Ära, die im Februar 2001 den Anfang nahm. Der GAK stellte die meisten Kicker, insgesamt sieben. "Jede Postion ist doppelt besetzt." Stürmer Roman Wallner fehlt im Aufgebot. "Sinnlos, wenn er bei Hannover nie zum Einsatz kommt."

Die Frage nach dem Tormann werde, so Krankl, "von den Medien geführt, ich treffe die Entscheidung alleine. Geht es schief, nehme ich die Schuld auf mich." Fakt ist: nur Andreas Schranz hat Praxis, er hütet das Tor des GAK. Zum Beispiel beim 1:0 in Liverpool, welches Krankl so einschätzt: "England ist stärker als Liverpool. Der Kroate Tokic war der beste Spieler, davon habe ich nichts. Aber natürlich steigt mit so einem Erfolg das Selbstwertgefühl." Österreich wird es in der Abwehr wieder mit einer Viererkette probieren (trotz des Ausfalls von Ehmann), im Falle der zu befürchtenden Undichte übernimmt Krankl auch diese Verantwortung. "Das System ist mir zu überlassen."

Immerhin ist das Team zehn Tage beisammen, in dieser Zeitspanne kann tatsächlich gearbeitet werden, das macht für Krankl Sinn. Der englische Fußball habe sich gewandelt, durch die vielen und vor allem großartigen Legionäre in der Liga "ist er europäischer geworden". Von geheimen Trainings sieht der Teamchef ab, "denn wen soll ich aussperren, wer kann sich was abschauen? Die Engländer nehmen uns eh nicht ernst, was aber keine Beleidigung ist. Sie nehmen nur sich selbst ernst."

Freilich, so Krankl, sei eine "Sternstunde" (gemeint ist keine knappe Niederlage) nicht auszuschließen. "Erwischen wir einen Supertag mit Superform, kann was passieren." Diese Schuld würde er mit den Spielern gerne teilen. (DER STANDARD Printausgabe 27.08.2004, Christian Hackl

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