Außeruniversitäre Forschung fest in Männerhand

3. September 2004, 15:51
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Frauenanteil in den Bereichen Naturwissenschaft und Technik bei nur rund 26 Prozent

Alpbach - Die wissenschaftliche Arbeit ist auch in der österreichischen außeruniversitären naturwissenschaftlichen-technischen Forschung fest in Männerhand. Der Frauenanteil in diesem Bereich liegt bei nur rund 26 Prozent. Das zeigt die Studie "Gender Booklet" des Dachverbands der außeruniversitären Forschungseinrichtungen "Forschung Austria" und des Frauenförderprogramms Femtech des Infrastrukturministeriums, die Mittwoch Abend im Vorfeld der Alpbacher Technologiegespräche vorgestellt wurde.

Unterschiede

In den 62 in der Studie erfassten Einrichtungen, darunter u.a. die Austrian Research Centers (ARC), die Christian Doppler-Gesellschaft, die Joanneum Research und die Kplus-Kompetenzzentren, waren 2003 von 2.653 MitarbeiterInnen (Vollzeit-Äquivalent) 665 Frauen (26 Prozent). Unter den AkademikerInnen sind nur rund 18 Prozent Frauen, beim nichtwissenschaftlichen Personal dagegen mehr als 50 Prozent.

"Handlungsbedarf"

Zum Vergleich: Der Frauenanteil unter den Uni-StudentInnen liegt bei über 50 Prozent, in der universitären Forschung bei 35 Prozent und in der industriellen Forschung bei nur neun Prozent. Infrastrukturminister Huber Gorbach (F) sieht angesichts dieses "starken Ungleichgewichts Handlungsbedarf". Österreich müsse alle Kräfte mobilisieren, um ein wichtiger Spieler im europäischen Forschungsraum zu sein, dazu zähle auch die "optimale Nutzung aller Humanressourcen", so der Minister bei der Präsentation der erstmals durchgeführten Erhebung, die künftig jährlich stattfinden soll.

Hierarchien

Gorbach kritisierte auch, dass der Frauenanteil mit jeder Karrierestufe geringer werde. So sind von insgesamt 72 Führungskräften der ersten Führungsebene nur acht Frauen (elf Prozent). Noch weniger vertreten sind Frauen in Gremien und Organen, etwa in Vorständen und Aufsichtsräten mit 4,9 Prozent. Optimistischer stimmt die Projektverantwortlichen die Altersverteilung: denn je jünger die MitarbeiterInnen sind, desto höher ist der Frauenanteil in der jeweiligen Altersgruppe.

Vorbildwirkung

Forschung Austria-Präsident und ARC-Präsident Erich Gornik hob die unterschiedliche Arbeitsweise von Männern und Frauen in der Forschung hervor: "Männer sind nicht so gut wie Frauen im vernetzten Denken, das immer wichtiger wird. Frauen werden uns deshalb mehr Kreativität geben." Für die Vorbildwirkung sei es wichtig, nicht immer nur Anton Zeilinger als Österreichs Paradewissenschafter hervorzuheben, sondern auch erfolgreiche Frauen, etwa Renee Schroeder.

Als Reaktion auf die Erhebung haben mehrere Forschungseinrichtungen bereits Maßnahmen geplant. So werden beispielsweise ab Herbst in den ARC bewusstseinsbildende Maßnahmen wie Gender-Trainings insbesondere für Führungskräfte durchgeführt. (APA)

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