Aussagen von Häftlingen falsch übersetzt

15. Mai 2005, 11:28
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"Nordallianz" wurde im Protokoll zu "die Vereinigten Staaten" - Vernehmungen müssen wiederholt werden

Guantanamo Bay - Bei der offiziellen Übersetzung von Aussagen arabischer Häftlinge im US-Gefangenenlager in Guantanamo Bay sind zum Teil schwere Fehler aufgetreten. Militärsprecher an der Marinebasis auf Kuba gaben dies am Donnerstag zu und versprachen, dass die betroffenen Gefangenen nochmals vernommen werden sollten. Die Übersetzungsfehler kamen unter anderem in den Erklärungen eines saudiarabischen Gefangenen vor. Diese Fehler waren von zwei arabischen TV-Journalisten festgestellt worden.

"Eine Art Kult"

Der Häftling hatte beispielsweise berichtet, dass er nach Afghanistan gegangen sei, um sich für den Kampf in der Kaukasus-Republik Tschetschenien ausbilden zu lassen, wie ein Korrespondent des katarischen Senders Al Jazeera sagte. In der Übersetzung sei daraus geworden, dass der Mann nach Afghanistan gereist sei, um in ein Trainingscamp zu gehen und dort "einer Art Kult" beizutreten. Ferner seien in der Übersetzung aus der afghanischen Nordallianz "die Vereinigten Staaten oder die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten" geworden, sagte Nadia Charters vom Sender Al Arabiya.

Die US-Armee lässt derzeit in Anhörungen den Status sämtlicher 585 Gefangener in Guantanamo Bay überprüfen. Dabei soll entschieden werden, ob sie in ihre Heimatländer zurückgeschickt werden oder weiter inhaftiert bleiben. Parallel dazu wurden bereits gegen drei Gefangene Verfahren vor einer so genannten Militärkommission - der Sonderform eines Militärtribunals zur Aburteilung von mutmaßlichen Kriegsverbrechern - eingeleitet. (APA)

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    Peinliche Übersetzungsfehler in Guantanamo: Mehrere Verhöre müssen wiederholt werden.

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