Sauer verdient

30. September 2004, 15:12
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Die Kampfjets wurden gekauft weil es für die zwei Milliarden Euro vier Milliarden an Aufträgen für österreichische Firmen geben soll - von Michael Bachner

Die Republik Österreich kauft ihrem chronisch unterfinanzierten Bundesheer 18 neueste Kampfjets um stolze zwei Milliarden Euro. So weit, so bekannt. Die Eurofighter werden aber nicht erworben, um, wie man meinen könnte, die Moral der Truppe in tristen Reformzeiten zu heben. Nein, doch offensichtlich deshalb, weil es für die zwei Milliarden Euro vier Milliarden an Aufträgen für österreichische Firmen geben soll. Womit nur die Frage unbeantwortet bleibt, warum nicht Kampfbomber um vier oder sechs Milliarden Euro geordert wurden? Die Belebung des Wirtschaftsstandortes mit dann acht oder zwölf Milliarden an Gegengeschäften hätte sich doch allemal gelohnt, oder? Doch so funktioniert das Geschäft mit den Gegengeschäften nun einmal nicht. Denn, wie sich mittlerweile herausgestellt hat, passt unter den dehnbaren Begriff des Gegengeschäfts so ziemlich alles, was die Eurofighter-Anbieter rund um EADS an "Geschäften" nach Österreich bringen. Sei es die bloße Vermittlung irgendwelcher Aufträge an Drittfirmen, oder sei es, wie dem Vernehmen nach gerade geprüft wird, die Übernahme einer Firma in Österreich durch eine EADS-Tochter. Das haben die Verantwortlichen, allen voran VP-Wirtschaftsminister Martin Bartenstein, von Anfang an gewusst. Es stimmt natürlich, dass jeder zusätzliche Auftrag, ob er nun etwas mit den Eurofightern zu tun hat oder nicht, die Chance darstellt, hierzulande Wertschöpfung zu generieren. Ärgerlich ist aber die Augenauswischerei, die hier betrieben wird. Heimischen Firmen wird nichts geschenkt. Sie müssen wettbewerbsfähig sein und vor allem investiert haben, um an Aufträge von EADS zu kommen. Der von der Politik suggerierte warme Geldregen über Österreich ist sauer verdientes Geld. (Der Standard, Printausgabe, 27.08.2004)
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