Herzmuskelzellen aus Embryo-Stammzellen entwickelt

1. September 2004, 13:52
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Nächster Schritt ist Implantation in geschädigtes Herzgewebe

Köln - Der Kölner Stammzellforscher Jürgen Hescheler hat nach eigenen Angaben weltweit erstmals die volle Funktionsfähigkeit von Herzmuskelzellen nachgewiesen, die aus menschlichen embryonalen Stammzellen entwickelt wurden. Dies sei eine wichtige Voraussetzung dafür, die gewonnenen Herzmuskelzellen in geschädigtes Herzgewebe - nach einem Infarkt - einzubauen und damit die Herzfunktion zu verbessern, sagte Prof. Hescheler am Donnerstag in Köln.

Wichtiger Schritt in Richtung Therapie

Sein Team berichtet über den nach eigener Einschätzung "wichtigen Schritt in Richtung Therapie" in der Septemberausgabe des Fachjournals "Cellular Physiology and Biochemistry". "Der Wert unserer Arbeit ist, dass wir gezeigt haben, dass die gewonnen Herzzellen auch auf Hormone, insbesondere das Stresshormon Adrenalin, reagieren - und das konnte bisher weltweit noch nicht nachgewiesen werden", erklärte Hescheler, der zu den international führenden Stammzellforschern gehört.

Der Einsatz der Zellen in klinischen Studien sei jedoch nicht möglich, da die 2003 aus den USA importierten Zellen nicht den Anforderungen des Deutschen Arzneimittelgesetzes genügten, sagte der Forscher vom Institut für Neurophysiologie der Universität Köln. "In dieser ersten Serie haben wir die menschlichen Zellen mit Maus-Zellen kultiviert und können daher nicht ausschließen, dass sich Maus-Viren auf die Zellen übertragen haben." Daher sei er nun auf neue Stammzelllinien angewiesen.

Hescheler forderte eine Gesetzesänderung zum therapeutischen Klonen, ohne die seine Forschung nicht vorankommen werde. Das therapeutische Klonen menschlicher Embryonen zur Stammzellen-Entnahme ist in Deutschland verboten. Er habe bereits Angebote aus den USA, Asien und Großbritannien erhalten, seine Arbeit an dortigen Forschungsinstituten fortzuführen. "Ich würde mir aber wünschen, diese Arbeit in Deutschland voranzubringen", sagte der Forscher. (APA)

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