FACC für restriktive Anerkennung von Gegengeschäften

8. September 2004, 14:03
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Hinterfragenswerte Beispiele erhitzen die Gemüter - SP für Rechnungshofprüfung

Wien – "Man müsste die Härte haben und Dinge so ansprechen wie sie sind. Die Industrie hat das beste Gegengeschäft bekommen, das man sich erträumen kann. Aber ich bin gegen die Inflation der Gegengeschäfte, wo jeder alles reinschreiben kann." Walter Stephan, Vorstandschef der Fischer Advanced Composite Components (FACC), und mit 732 Mio. Euro Hauptprofiteur der Eurofighter-Gegengeschäfte, fordert Wirtschaftsminister Martin Bartenstein auf, möglichst "restriktiv" bei der Anerkennung von Gegengeschäften zu sein. Sonst komme der Begriff in der Öffentlichkeit zu Recht in Verruf.

Einige hinterfragenswerte "Gegengeschäftsbeispiele" erhitzten in den letzten Tagen wieder die Gemüter. So wurde ein österreichisches Unternehmen von einer Tochterfirma des EADS-Konzerns übernommen. Normales Geschäft oder Gegengeschäft? Das Wirtschaftsministerium prüft derzeit. Oder: EADS vermittelt einem österreichischen Anlagenbauer die Teilnahme an der Ausschreibung für ein Kraftwerksprojekt im Ausland. Ein Gegengeschäft? Eine österreichische Bank übernimmt einen Teil der Finanzierung dieses Projekts. Auch das ein Gegengeschäft?

Bartenstein verlangt "lückenlose Aufklärung"

Andere Projekte, wesentlich kleinerer Natur, sollen nur auf dem Papier existieren, was das Wirtschaftsministerium naturgemäß heftig bestreitet. Bartenstein verlangt nun im Gegenteil "die lückenlose Aufklärung seitens der Unternehmungen".

SP-Klubobmann Josef Cap fordert eine sofortige Prüfung durch den Rechnungshof. "Es ist einfach ungeheuerlich, was hier passiert ist. Es wurde gemogelt und geschoben, und österreichische Unternehmen wurden hereingelegt", kritisiert Cap. Die Gegengeschäfte seien nichts als "Luftversprechungen und Luftgeschäfte mit Luftfahrzeugen". Und Bartenstein liefere dazu ein "Bild des Desasters".

FACC hätte im Übrigen nichts gegen ein Prüfung durch den Rechnungshof. Den SP-Vorwurf, das Luftfahrtzulieferunternehmen aus Ried in Oberösterreich hätte die Airbus-Aufträge auch ohne den Eurofighter-Deal bekommen, weist Stephan zurück. "Die Barriere ist dadurch sicher kleiner geworden." (miba, kmo, mro, Der Standard, Printausgabe, 27.08.2004)

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