Geschäftsklima in Deutschland trotz teurem Öl kaum eingetrübt

20. September 2004, 16:47
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Ifo-Index sank auf 95,3 Punkte - Clement: Kein "Stoppsignal für Konjunkturverlauf" - Weiterhin gute Exportchancen

Berlin - Das deutsche Geschäftsklima hat sich im August trotz des Rekordhochs beim Ölpreis nur wenig eingetrübt. Dabei bewerteten die vom Ifo-Institut befragten Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage zuversichtlicher, ihre Aussichten etwas skeptischer. Das Ifo-Geschäftsklima sank auf 95,3 von 95,6 Punkten im Juli, wie das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Donnerstag mitteilte. Trotz des Rückgangs lag der Index im August noch über dem langjährigen Durchschnitt von 95,0 Punkten.

"Die Ergebnisse sprechen für einen noch nicht durchgreifend gefestigten konjunkturellen Aufschwung", erklärte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. "Die gute Exportkonjunktur übertrug sich aber noch nicht auf die Binnennachfrage, im Einzelhandel wurde die Lage schlechter bewertet."

Teures Öl trübt Stimmung nicht

Analysten waren aber erleichtert, dass der rasante Ölpreisanstieg den Unternehmern nicht so stark wie befürchtet aufs Gemüt schlug. Auch Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) sah im Ifo-Rückgang keinen Anlass zur Sorge: "Das ist alles andere als ein Stoppsignal für den Konjunkturverlauf."

Dass die Firmen trotz des teuren Öls weiter gute Exportchancen sehen, bestärkte auch Volkswirte in ihrer Erwartung, dass sich die Erholung fortsetzt. "Die Exporterwartungen sind von ihrem bisher schon hohen Niveau nochmals gestiegen", sagte Ifo-Volkswirt Klaus Abberger. Jürgen Michels von der Citigroup verwies auf die Verbesserung des Lage-Index auf 94,7 von 94,1 Punkten: "Immerhin bestätigt der neue Anstieg der Lagekomponente, dass die Firmen die Erholung wirklich spüren. Das spricht auch für eine leichte Verbesserung am Arbeitsmarkt." Abberger wertete einen leichten Anstieg der Erwartungen zur zukünftigen Beschäftigungslage bei der Ifo-Umfrage als erstes Anzeichen für eine Wende am Arbeitsmarkt.

Hartz IV kann verunsichern

Die Erwartungskomponente im Ifo-Geschäftsklima sank dagegen auf 96 von 97,1 Punkten. Abberger verwies auf die weiter schwache Binnenkonjunktur und die sparsamen Verbraucher: "Es gibt natürlich im Konsum wieder Probleme. Hier könnte es sein, dass Hartz IV nochmals die Unsicherheit verstärkt." Die Einzelhändler in Nordrhein-Westfalen, deren Umsätze oftmals die Entwicklung in ganz Deutschland vorwegnehmen, mussten im Juli einen Umsatzrückgang um 4,2 Prozent zum Vorjahr verkraften.

Der Deutsche Aktienindex (Dax) zeigte sich vom Ifo-Index unbeeindruckt und lag wegen des wieder etwas günstigeren Öls im Plus. "Der Ölpreis ist und bleibt der entscheidende Faktor für die Entwicklung der Aktienkurse", sagte ein Aktienhändler. Am Donnerstag sank der Preis für ein Barrel (ein 159-Liter Fass) der Nordsee-Sorte Brent unter 41 Dollar (33,9 Euro), nachdem er vergangene Woche über 44 Dollar geklettert war.

"Exportwirtschaft läuft noch sehr gut "

Bei der Ifo-Umfrage schlug der Ölpreis nach Worten Abbergers nur in einigen Branchen negativ zu Buche. Trotz der weiter schwachen Binnenkonjunktur sei der Index-Rückgang kein Anzeichen für ein Ende der Wirtschaftserholung. "Das ist noch kein Grund, den Aufschwung abzublasen, da die Exportwirtschaft noch sehr gut läuft", sagte Abberger. Das Klima trübte sich dem Ifo zufolge im verarbeitenden Gewerbe, im Groß- und im Einzelhandel ein. Einzig beim Bau registrierte das Ifo eine Verbesserung.

Unter den Experten ist trotz des Ifo-Rückgangs weiter umstritten, ob die wirtschaftliche Erholung in Deutschland ihren Höhepunkt schon überschritten hat. Citigroup-Volkswirt Michels bezweifelte, dass der Exportboom ungebremst andauern wird: "Insgesamt wird sich der Aufschwung zwar fortsetzen, aber eher mit gedrosseltem Tempo." Mehr Zuversicht äußerte Ralph Solveen von der Commerzbank: "Die Unternehmen scheinen insgesamt immer noch ganz zuversichtlich zu sein. Die Umfrage spricht deshalb nicht dagegen, dass sich die konjunkturelle Belebung im zweiten Halbjahr im gleichen Tempo wie im ersten Halbjahr fortsetzt."(APA/Reuters)

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