Mobilfunk-Boom in Deutschland hält an

2. September 2004, 11:25
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Über 68 Millionen Handynutzer in Deutschland - Mobilcom prognostiziert weitere Umsatzsteigerung bis 2008

Der Boom auf dem Mobilfunkmarkt hält trotz Konsumflaute an. Im ersten Halbjahr 2004 wuchs die Zahl der Handynutzer um fünf Prozent auf 68,2 Millionen, wie Mobilcom-Chef Thorsten Grenz am Donnerstag in Berlin sagte. Bis 2008 erwarte er ein Marktwachstum um rund fünf Mrd. Euro. Im vergangenen Jahr wurde den Angaben zufolge mit Mobilfunk ein Umsatz von 25 Mrd. Euro in Deutschland erzielt.

Grenzen noch nicht in Sicht

Die Grenzen des Wachstums seien trotz einer hohen Marktsättigung noch längst nicht in Sicht, sagte Grenz. Die Verbreitung in Deutschland sei mit 76 gegenüber 84 Prozent in den anderen europäischen Ländern sogar noch gering und daher steigerungsfähig. Auch die Nutzung sei noch nicht so hoch wie im übrigen Europa: In Deutschland zahle der Mobilfunkkunde durchschnittlich rund 26 Euro im Monat und damit fünf Euro weniger als seine europäischen Nachbarn.

"Seit der Erfindung der Dampfmaschine"

"Mobilfunk ist die erfolgreichste technologische Innovation seit der Erfindung der Dampfmaschine", sagte Grenz. In nur 20 Jahren habe sich die Technologie auf dem Massenmarkt durchgesetzt. Die 10- bis 24-Jährigen seien sogar zu 96 Prozent Nutzer. Damit sei die Technologie weiter verbreitet als der Computer mit 62 Prozent. Mobilfunk entwickle sich mehr und mehr zu einem "Grundbedürfnis".

Die Nutzung neuerer Produkte wie UMTS oder MMS sei allerdings noch gering, räumte Grenz ein. So wollten sich nur 13 Prozent aller Mobilfunk-Kunden in den nächsten 24 Monaten ein UMTS-Gerät kaufen. Die Zahl versendeter MMS sei mit erwarteten 345 Millionen gegenüber 33 Milliarden SMS in diesem Jahr gering.

Grenz warnte vor einer Überschuldung Jugendlicher durch zu häufige Handynutzung. Sein Unternehmen biete daher Verträge, mit denen von vornherein die monatlichen Ausgaben auf 15, 30 oder 50 Euro begrenzt werden könnten. Im Vergleich mit Prepaid-Verträgen seien hier die Minutenpreise deutlich günstiger. Zudem würden bessere Handys angeboten. Grenz sagte, allein sein Unternehmen müsse 20 Prozent aller Interessenten ablehnen, weil diese nicht kreditwürdig seien.

Walkie-Talkie

Einer von Mobilcom in Auftrag gegebenen Forsa-Umfrage zufolge zeigen die Kunden Interesse an einigen neuen Mobilfunkdiensten. 35 Prozent sprachen sich für Walkie-Talkie-Funktionen aus, 33 Prozent für die Möglichkeit, Telefonkonferenzen schalten zu können, 23 Prozent würden gerne E-Mails senden und empfangen. Musik wollen sich der Umfrage zufolge nur zwölf Prozent auf ihr Handy downloaden können.

Der zweitgrößte deutsche Mobilfunkdienstleister Mobilcom will indes bei wachsendem Umsatz seine operative Gewinnmarge verbessern. Die Ebitda-Marge (Anteil des Ergebnis vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen und Amortisationen am Umsatz) in der Mobilfunksparte werde bis zum vierten Quartal 2005 auf fünf bis sechs Prozent steigern, sagte Grenz. Im zweiten Quartal 2004 betrug die Marge 4,2 Prozent.

"Wir machen Fortschritte bei den Kosten"

Ein Sprecher ergänzte, die Marge werde auch im Folgejahr 2006 etwa in dieser Höhe liegen. "Wir machen Fortschritte bei den Kosten", begründete der Sprecher die Unternehmensprognose. Der Anstieg der Kosten werde hinter dem Umsatzanstieg zurückbleiben. Umsatzzuwächse verspreche sich Mobilcom aus einer höheren Nutzung durch die Kunden und einem wachsendem Kundenstamm. (APA/Reuters)

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