Belohnungskrise am Arbeitsplatz

2. September 2004, 15:40
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Bis zu 30 Prozent der Mitarbeiter betroffen - Körper reagiert mit Überpro­duktion von Stresshor­monen und hohem Blutdruck

Mainz - Unzufriedenheit am Arbeitsplatz verdoppelt nach Studien von Verhaltensmedizinern das Risiko für Herz- und Kreislaufkrankheiten sowie für depressive Leiden. "Wir konnten nachweisen, dass bei Menschen, die sich beruflich abstrampeln und keine Belohnung erfahren, Stresshormone und Blutdruck signifikant erhöht sind", sagte der Medizinsoziologe Johannes Siegrist beim Internationalen Kongress für Verhaltensmedizin am Donnerstag in Mainz. Je nach Branche und Land seien zwischen zehn und 30 Prozent der Beschäftigten von einer solchen "Belohnungskrise" betroffen. Allerdings litten Männer deutlich stärker unter Berufsstress als Frauen. Bei der Tagung treffen sich noch bis Samstag 900 Experten.

Erkrankungs- und Sterberisiko steigt mit den Jahren

Zu den Punkten, die bei Arbeitnehmern den psychischen Stress erhöhen, zählen unter anderem fehlende Wertschätzung durch Vorgesetzte, mangelnde Aufstiegschancen und fehlende Arbeitsplatzsicherheit. "Nach unseren Studien mit europaweit Tausenden von Probanden verdoppelt sich das Risiko innerhalb von fünf bis 10 Jahren, an stressbedingten Leiden zu erkranken oder zu sterben", sagte Siegrist. Zudem steige die Suchtgefahr deutlich an.

Führungskräfte gehören geschult

Inzwischen habe seine Arbeitsgruppe Vorschläge für die betriebliche Vorsorge bei Unternehmen erarbeitet. Dazu zählten sowohl die Schulung von Führungskräften und Weiterbildung für Mitarbeiter als auch Systeme für eine Gewinnbeteiligung der Angestellten. "Investitionen in die Mitarbeiter lohnen sich nach wissenschaftlichen Studien für Firmen auch ökonomisch", betonte Siegrist. Diese Zusammenhänge würden jedoch in Deutschland bisher aber kaum beachtet. (APA)

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