Essen wie ein Urzeitjäger ist gesund

1. September 2004, 13:52
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Ernährungswissenschaf­ter richten einen Blick auf die Vergangenheit: Sie empfehlen Gemüse, Obst, Proteine und kaum verarbeitetes Getreide

Wien/Washington - Auf der Suche nach der idealen Ernährung für den Menschen, richten Wissenschafter neuerdings den Blick weit zurück in die Vergangenheit. "Immer mehr Hinweise weisen darauf hin, dass das Missverhältnis zwischen unserer modernen Diät sowie Lifestyle und unserem unveränderten altsteinzeitlichen Genom eine Hauptursache für das epidemische Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes, Atherosklerose und Herz-Kreislauferkrankungen sind", so Mediziner der renommierten Mayo-Klinik im US-Bundesstaat Minnesota. Ihre Lösung: Unsere Nahrungsaufnahme sollte sich an jener der urzeitlichen Jäger und Sammler orientieren.

Wilde Nahrungsmittel

Die landwirtschaftliche Revolution vor etwa 10.000 Jahren veränderte die Ernährung des Menschen schlagartig. Die rund 2,5 Millionen Jahre davor konsumierten Jäger und Sammler vor allem wilde und unbehandelte Nahrungsmittel wie Obst, Wurzeln, Gemüse, Nüsse, Fisch und Fleisch, aber kaum raffinierte Getreideprodukte. "Diese Umstände führten zu einer Diät, die sich aus einer hohen Menge an magerem Protein, mehrfach ungesättigten Fetten, Vitaminen, Mineralien und anderen hilfreichen Inhaltsstoffen zusammensetzte", so James H. O' Keefe und Loren Cordain in ihrer Untersuchung "Cardiovascular Disease Resulting From a Diet and Lifestyle Odds With Our Paleolithic Genome: How to Become a 21st-Century Hunter-Gatherer".

Diese Ernährung dürfte den Jägern und Sammlern recht gut bekommen sein. "Historische und anthrolopogische Studien zeigen, dass die Jäger und Sammler generell fit und gesund waren sowie weitgehend keinerlei Herz-Kreislauferkrankungen aufwiesen", argumentieren die Autoren.

Die Annahme, dass unsere Ahnen unternährt waren, ist den Wissenschaftern zufolge völlig falsch. Die Ernährungsweise enthielt zwei bis drei Mal so viele Ballaststoffe wie die heutige, 1,5 bis zwei Mal so viele mehrfach ungesättigte Fettsäuren, vier Mal mehr Omega-Fettsäuren, zwei bis drei Mal so viel Protein und drei bis vier Mal so viel Kalium. Zucker und raffinierte Getreideprodukte kamen in dieser Diät überhaupt nicht vor.

Der heutigen Ernährung entgegengesetzt

Die gegenwärtige Ernährung in den westlichen Industrienationen ist jener der ehemaligen Jäger und Sammler genau entgegengesetzt. Nicht allein, dass wir uns unser Essen nicht mehr selber erlegen müssen und so nicht mehr dazu gezwungen sind, uns zu bewegen, wir konsumieren vor allem verarbeitete, künstliche Nahrungsmittel, mit einem geringen Anteil an frischem Obst und Gemüse. "Auf sozialer Ebene sind wir vielleicht Menschen des 21. Jahrhunderts, aber genetisch leben wir immer noch in der Altsteinzeit", kritisieren die Autoren.

Die Wissenschafter schlagen vor, die Ernährung unserer Ahnen nachzuahmen. Dabei sollten gesättigte Fette durch mehrfach ungesättigte ersetzt und besonders mehr Omega-3-Fettsäure konsumiert werden. Weiters sollte die Einnahme von frischen Nahrungsmitteln wie Obst, Gemüse und Nüssen auf bis zu acht Portionen am Tag drastisch erhöht werden. Weiters am Speiseplan stehen: Mageres Fleisch und Fisch. Zucker und verarbeitete Getreideprodukte sind hingegen weitgehend zu meiden.

Ein weiteres Fitnessrezept unserer Urahnen: Sie gingen oder liefen jeden Tag bis zu 15 Kilometer. (APA)

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    derstandard.at
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