Wie lange kann man nur von Bier leben?

1. September 2004, 14:11
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Bei einem Versuch im 18. Jahrhundert kehrten Seefahrer mit höherem Bierkonsum gesünder von ihrer Reise zurück als abstinente Kollegen

London/Wien - Ausschließlich von Milch kann der Mensch - angeblich - auch für längere Zeit leben. Mancher Biertrinker fragt sich, ob das nicht auch mit dem vergorenen Gerstensaft möglich wäre. Auch wenn wohl kaum jemand wirklich ausprobieren wird, wie lange es dauert, bis man in die himmlischen Hopfengärten eingeht, beschäftigen sich doch auch renommierte Wissenschaftsmedien mit der Frage, wie gesund oder ungesund Bier nun wirklich ist.

So berichtet die britische Zeitschrift "New Scientist" über einen ernsthaften, wenngleich aus heutiger Sicht unethischen, diesbezüglichen Versuch im 18. Jahrhundert. Während des Siebenjährigen Krieges (1756-63) stellte demnach John Clephane, ein Arzt der englischen Flotte, folgendes Experiment an: Drei Schiffe wurden von England nach Amerika geschickt, eins davon, die Grampus, wurde mit großen Mengen von Bier bedacht. Die beiden anderen Schiffe, die Daedalus und die Tortoise, wurden mit den üblichen geistigen Getränken ausgestattet.

Über Leber-Schäden nichts bekannt

Nach einer wetterbedingt langen Überfahrt mussten laut Clephane von der Daedalus 112 und von der Tortoise 62 Mannschaftsmitglieder in Spitalspflege, von der Grampus dagegen nur 13. Den Seeleuten waren täglich acht Pint (etwa 0,6 Liter) erlaubt, über Spätschäden etwa der Leber berichtet der Arzt nichts.

Bier war - so vermuten Wissenschafter - ursprünglich nicht als Getränk, sondern als Nahrungsmittel gedacht und wurde deshalb auch als flüssiges Brot bezeichnet. Durch die Gärung und die Alkohol-Bildung sollte das enthaltene Getreide auch unter widrigen Umständen haltbar gemacht werden. Bereits im alten Ägypten war der vergorene Getreidesaft Teil der Bezahlung von Arbeitern.

Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht hat Bier nicht nur reichlich Kalorien, sondern auch relativ hohe Anteile etwa der Vitamine B9, B6 und B2. Bereits ein Pint deckt rund fünf Prozent der nötigen Tagesdosis. A, C, und D fehlen dagegen weitgehend. (APA)

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