"Frische" 200 Millionen Euro noch heuer

2. September 2004, 12:13
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Ausgabe bis zu 3,75 Mio Stück neuer Aktien Ende des Jahres geplant - Außerordentliche Hauptversammlung am 21. September soll grünes Licht geben - VA-Tech-Chef Sernetz: "Brauchen weder Siemens noch Andritz"

Wien/Linz - Noch dieses Jahr - Ende November oder Anfang Dezember - will sich die Linzer VA Technologie AG über die Börse frisches Geld holen. Die Ermächtigung zur Ausgabe von bis zu 3,75 Mio. neuer Aktien soll eine außerordentliche Hauptversammlung am 21. September im Design-Center in Linz geben. Bei voller Ausschöpfung entspricht die Emission einer Aufstockung des Grundkapitals um 25 Prozent und würde dem oberösterreichischen Konzern gemessen am aktuellen Aktienkurs von rund 53,70 Euro einen Bruttoerlös von etwa 200 Mio. Euro bringen.

"Situation ist eine andere als im April"

Der seit Anfang Juli amtierende neue VA-Tech-Chef Klaus Sernetz ist zuversichtlich, das der HV-Beschluss diesmal kein Problem sein wird, wie er am Donnerstag im Halbjahrespressegespräch in Wien sagte: "Die Situation ist eine andere als im April. Die Notwendigkeit ist klar. Wir gehen sehr positiv in den 21. September."

Die ao. HV im September stellt heuer schon den zweiten Anlauf zur Kapitalerhöhung dar. Ein erster Versuch war in einer turbulenten Aktionärsversammlung am 29. April überraschend gescheitert. Damals hatte der Industrielle Mirko Kovats - mit rund 13 Prozent der zweitgrößte Aktionär nach der Staatsholding ÖIAG (15 Prozent) - eine ursprünglich auch von ihm selbst geforderte Kapitalaufstockung zusammen mit einer Schweizer Aktionärsgruppe verhindert, was zu einer schweren Verstimmung zwischen ÖIAG und Kovats geführt und auch die Übernahmekommission auf den Plan gerufen hatte.

Sernetz: "Sind kein Übernahmekandidat"

Das im Vergleich zu der im Frühjahr geplanten Kapitalerhöhung - um bis zu 50 Prozent des Grundkapitals - nunmehr halb so große Volumen erklärte Sernetz am Donnerstag vor allem mit der damals besseren Stimmung an den Börsen. Auch sei damals nicht sofort eine gesamte Begebung geplant gewesen, sagte Sernetz, der seinen Konzern - trotz verschiedener Gerüchte rund um Siemens - nicht als Übernahmekandidaten sieht.

Für die Sanierungsmaßnahmen in seinen Problemsparten benötige der VA-Technologie-Konzern "weder Siemens noch Andritz", sagte Sernetz im Halbjahrespressegespräch zu entsprechenden Gerüchten: "Was wir brauchen ist die Kapitalerhöhung - Siemens brauchen wir nicht." So habe Siemens etwa auch "ein anderes Religionsbekenntnis".

"Liquiditätssituation nicht gefährdet"

Sernetz sagte zu der am Dienstag dieser Woche im Aufsichtsrat "einstimmig und von allen Aktionären beschlossenen" Kapitalaufstockung, auch mit einem Erlös von lediglich 150 Mio. Euro würde die VA Tech "gut über die Runden kommen". Trotz des hohen Nettoverlustes, den der Vorstand im Gesamtjahr 2004 bei 65 bis 70 Mio. Euro erwartet, würde man die Eigenkapitalquote wieder auf fast 16 Prozent bringen können, und auch die Liquiditätssituation des Konzerns wäre nicht gefährdet.

Ohne Kapitalzufuhr via Börse drohe jedoch ein Absinken der Eigenmittel auf unter 12 Prozent, und es könnte Probleme mit Bankenfinanzierungen geben, etwa bei den Avallinien bzw. Avalrahmen (Bürgschaften), so Sernetz. Zuletzt ist die Eigenkapitalquote per 30.6. auf 13,2 Prozent zurückgegangen, nach noch 13,3 Prozent Ende 2003 und 13,8 Prozent Mitte 2003.

Mitziehen der ÖIAG "nicht ausgeschlossen"

Der VA-Tech-Chef geht davon aus, dass die Staatsholding ÖIAG, die derzeit mit 15 Prozent der Hauptaktionär des Technologiekonzerns ist, bei der bevorstehenden Aufstockung mitziehen könnte: "Ich schließe das nicht aus". Diese Frage habe ÖIAG-Vorstand VA-Tech-AR-Chef Peter Michaelis im Aufsichtsrat am Dienstag dieser Woche offen gelassen.

Einen wirklich stabilen Kernaktionär der VA Tech, den sich auch die ÖIAG für die ins Auge gefasste weitere Privatisierung des Linzer Konzerns wünscht, sieht Sernetz derzeit noch nicht. Der ÖIAG, mit 15 Prozent der Hauptaktionär, komme diese Rolle offenbar nicht zu, da sie für HV-Beschlüsse am 29. April keine Mehrheit zustande gebracht habe. In ihrer AR-Sitzung am 7. Mai hat die ÖIAG wie berichtet beschlossen, ihre Anteile "solange zu behalten, bis ein stabiler Kernaktionär für die VA Tech gefunden und damit eine vernünftige Weiterentwicklung des Unternehmens sichergestellt worden ist" - notfalls auch über die von der Republik per Privatisierungsauftrag vorgegebene Frist bis 2006 hinaus.

Alternativen zu Kapitalaufstockung im Hinterkopf

Der Industrielle Mirko Kovats, derzeit mit 13 Prozent beteiligt, könne, "wenn er bei der Kapitalerhöhung mitzieht", zeigen, dass er "schon die Absicht hat, im Konzern zu bleiben", meinte Sernetz heute. Den Anspruch von Kovats auf "mehr Rentabilität" der VA Tech bezeichnete er als "mehr als begründet". Im übrigen stelle sich grundsätzlich die Frage, was unter einem "stabilen" oder "verlässlichen" Kernaktionär zu verstehen sei. Sernetz: "Die Performance des Konzerns ist das einzige, das zuverlässig ist - unabhängig vom Aktionär".

Sollte wider Erwarten die anvisierte Kapitalaufstockung nicht zustande kommen, hat Sernetz "Alternativen" im Hinterkopf, zu denen er sich jetzt noch nicht äußern wollte. Eine allfällige Begebung der Jungaktien erst im kommenden Jahr, sollte heuer im Spätherbst die Kapitalmarktsituation nicht ausreichend sein, wäre dagegen weniger gravierend: "Das ginge auch", so Sernetz. (APA)

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