Bösendorfer möchte in die Villa Primavesi

5. September 2004, 22:23
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Die Hietzinger Villa Primavesi soll der Firmensitz von Österreichs bekanntestem Klavierbauer werden

Wien - Bisher gibt es nur Pläne, fix ist noch nix. Aber bei Bösendorfer brennt man schon darauf, die denkmalgeschützte Jugendstilvilla Primavesi in Hietzing "Firmensitz" nennen zu dürfen. Geschäftsführer Manfred Aichinger nennt die Villa "den besten Repräsentationsort für unser Unternehmen".

Tatsächlich handelt es sich bei der von Architekt Josef Hoffmann für die Familie Skywa zwischen 1912 und 1915 erbauten Villa um ein besonderes Beispiel der Wohnarchitektur. Architekturkritiker Friedrich Achleitner schreibt in "nextroom", der Datenbank des Wiener Architekturzentrums: "Mit der Villa Skywa erreichte die Wiener Architektur und Wohnkultur ihren absoluten Höhepunkt . . . so ist jedes Detail, jede Beziehung der Formen neu, in der Architekturgeschichte ohne Beispiel". Vor allem die Gartenanlage, die die seit 2000 denkmalgeschützte Jugendstilvilla umgibt, gilt bis heute als Besonderheit. Peter Noever, Direktor des Museums für angewandte Kunst, kritisierte in einem STANDARD-Kommentar den Umgang mit diesem Kulturgut als "symptomatisch für unsere Kulturpolitik" - weil man es verkommen lasse.

Nutzungskonzepte

Nach der Familie Skywa erwarb sie Bernhard Panzer, der sie erweitern ließ. Ab 1942 gehörte sie der NSDAP-München. Ab diesem Zeitpunkt wurde das Interieur entfernt, große Teile des Originalmobiliars gingen verloren. Nach dem Krieg bekamen die Brüder Panzer die Hoffmann-Villa zurück, verkauften sie über einen Makler an den Österreichischen Gewerkschaftsbund, der wiederum adaptierte und erweiterte sie. Der Villa wurden in den vergangen Jahren schon viele Nutzungskonzepte angedichtet, realisiert wurde keines.

Seit 1999 ist sie im Besitz der Bawag. Und, um den Kreis zu schließen, Bösendorfer ist Teil dieses Konzerns, muss wegen Platzmangel vom bisherigen Firmensitz in der Graf-Starhemberg-Gasse (Wieden) ausziehen und somit ist der Einzug der Klaviermanufaktur in die Hoffmann-Villa mehr als schlüssig.

Sieben Millionen

Friedrich Primetzhofer, Vorstand der Bawag-PSK-Immobilien AG meint, sieben Millionen Euro seien notwendig, um die Villa Primavesi zu sanieren. Man will einen Konzertsaal (für rund hundert Personen) und eine Parkgarage (40 bis 50 Plätze) errichten. Die Garage solle nicht im historischen Park hinter der Villa entstehen, sondern links davon auf einer Grünfläche, beteuert Primetzhofer. Dieses Grundstück sei Teil der Villenanlage.

Im Bezirk Hietzing wurde man über die Pläne von Bawag und Bösendorfer informiert, sagt Dorothea Drlik, stellvertretende Bezirksvorsteherin (VP). Konkrete Pläne oder dafür nötige Anträge für Umwidmungen kenne man aber noch nicht. Drlik hält die Ideen "grundsätzlich für eine gute Sache". Sie sieht lieber die renommierte Firma Bösendorfer, denn "einen russischen Oligarchen mit viel Geld" eine Villa in ihrem Bezirk in Beschlag nehmen. Was Anrainer, Denkmalschützer und weitere von den Plänen halten, bekommen alle Beteiligten bei einer Bürgerversammlung zu hören. (Andrea Waldbrunner/DER STANDARD, Printausgabe, 26.8.2004)

Bürgerversammlung, 23. Sept. um 18 Uhr, Amtshaus Hitzing
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