"Erbsen auf halb 6": Das Schicksal als Blindenstock

26. März 2005, 22:57
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Lars Büchels deutsches Roadmovie "Erbsen auf halb 6"

Die Montage denkt Jakob (Hilmir Snær Gudnason) und Lilly (Fritzi Haberlandt) zusammen, bevor sie zusammen sind: Während sie gerade zum Trampolinsprung in den Pool ansetzt, fährt er im Regen auf der Autobahn. Im Wasser landen sie zugleich, aber für Jakob ist es ein Unglück, bei dem er sein Augenlicht verliert. Lilly hingegen ist schon von Geburt an blind.

Der Beginn macht es deutlich: In Erbsen auf halb 6, dem neuen Film des Deutschen Lars Büchel (Jetzt oder nie), ist das Schicksal die treibende Kraft. Erst führt es die beiden Figuren gewaltsam aufeinander zu, dann lässt es die beiden ganze Länder durchqueren, damit sie sich verlieben können. Lilly, die Jakob dabei behilflich sein will, sein Dasein als Blinder zu akzeptieren, folgt ihm auf seinem Weg zu seiner todkranken Mutter, die irgendwo in Russland lebt. Ein Roadmovie über zwei Menschen, die zunächst nicht sehen, dass sie füreinander bestimmt sind - womit die Blindheit also auch zur existenziellen Metapher wird -, das würde Erbsen auf halb 6 wohl gern sein.

Aber das papierene Drehbuch lastet schwer auf diesem Film, und die Inszenierung Büchels verschafft ihm nicht das nötige Gegengewicht: Zu ausgesucht kunstsinnig, ja kitschig sind die Szenen zwischen den beiden - etwa ein Versteckspiel im Kornfeld -, zu klischeehaft bis epigonal die Bilder des Ostens, der hier als poetische Gegenwirklichkeit dienen soll. Sodass es einzig Fritzi Haberlandt ist, die Lilly mit ungeheurer Sensitivität, aber fern von jedem Virtuosentum verkörpert, die dieser Liebesgeschichte eine gewisse Wahrhaftigkeit verleiht. (kam / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.8.2004)

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    foto: constantin
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