Insider bleiben meistens verborgen

8. September 2004, 14:15
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Die Finanzmarktaufsicht überprüft jährlich 3000 bis 4000 Kursauffälligkeiten an der Wiener Börse

Wien - Die Finanzmarktaufsicht überprüft jährlich automatisch 3000 bis 4000 Kursauffälligkeiten an der Wiener Börse. 150 bis 200 Fälle werden genauer analysiert, rund zehn bis 15 Fälle werden vertiefend untersucht. Bis jetzt haben nur vier Fälle von Insiderdelikten die Gerichte beschäftigt.

Die Zahl der Verfahren sei deswegen so niedrig, sagt die Finanzmarktaufsicht, weil die Beweisführung sehr schwierig sei und die Aufsicht keine entsprechenden Kompetenzen, von der Einsicht in Telefonprotokolle bis zu Hausdurchsuchungen der Verdächtigen, habe.

- Dem ehemaligen Voest-Chef Franz Struzl wurde Insiderhandel nachgewiesen. Er hat sich im Juli 2003 durch so genannte Diversion, eine Art Vergleich, bei dem der Beschuldigte angeblich den mutmaßlichen Kursgewinn von 250.000 Euro plus 50.000 Euro karitativen Organisationen gespendet hatte, weiteren Verfahrensfolgen entzogen.

- Ein Salzburger Druckerei-Chef wurde im Zusammenhang mit BWT-Aktien im Juni 2003 zu drei Monaten bedingter Freiheitsstrafe verurteilt.

- 2003 traf es einen Ex-Controller der damals börsennotierten und später insolventen CyberTron, der in Kenntnis schlechter Quartalszahlen seine Aktien verkauft haben soll. Im Verfahren gelang der Nachweis nicht: Freispruch.

- Im Jahr 2002 stand ein Brüderpaar wegen Verdacht auf Insiderhandel bei Leykam vor Gericht und wurde in zweiter Instanz frei gesprochen. (kbau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.8.2004)

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