"Wir sind kein Monopolist"

8. September 2004, 14:05
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Die kostengünstigste Infrastruktur lasse sich für Bundesaufgaben am besten mit einem Mix aus Bundesanstalten und Wirtschaft erreichen, glaubt man beim Bundesrechenzentrum

Wien – Das Bundesrechenzentrum (BRZ), 1997 aus der hoheitlichen Verwaltung als eigene Gesellschaft ausgegliedert, möchte weg vom ihm nachgesagten Image, bei IT-Auftragsvergaben des Bundes bevorzugt zu werden. "Wir sind kein Monopolist. Ein Monopolist setzt Speck an, und das ist suboptimal", betont Erhard Schmidt, Sprecher der BRZ-Geschäftsführung, im STANDARD-Gespräch.

Zwar würden rund 40 Prozent des etwa 400 Millionen Euro umfassenden IT-Budgets des Bundes in BRZ-Aufträge münden, der Fremdleistungsanteil durch Zulieferfirmen betrage dabei aber 70 Prozent.

Als eines der Beispiele nennt er das E-Governmentprojekt Elak ("Elektronischer Akt"), durch den die Verwaltungsprozesse in allen Bundesministerium vereinfacht und beschleunigt werden sollen. Je ein Drittel des 40 Mio. Euro umfassenden Auftrags entfielen auf die ausführenden Unternehmen IBM, Fabsoft und Bundesrechenzentrum.

Zweitgrößtes Rechenzentrum

"Unsere Aufgabe ist es nicht, der österreichischen IT-Wirtschaft Aufträge wegzunehmen, sondern der Verwaltung eine kostengünstige IT-Infrastruktur zu geben", definiert Schmidt den Auftrag seines Unternehmens, das sich zu 100 Prozent in staatlichem Eigentum befindet. Als zweitgrößtes Rechenzentrum des Landes setzte das BRZ im vergangenen Jahr mit 820 Mitarbeitern 165 Mio. Euro um.

"Wir sind dem Bund voll rechenschaftspflichtig", sagt Schmidt, angesprochen auf dem Umstand, dass der Staat im Falle von nicht erfüllten Aufträgen sich nicht selbst klagen könne. Sollte einmal ein Auftrag schief gehen, hätten das BRZ und dessen Manager alle Konsequenzen zu tragen. "Ein Viertel meines Gehalts ist beispielsweise erfolgsabhängig", gibt er einen Einblick in die Managementstruktur des Unternehmens. Doch am Ende des Tages "habe immer alles funktioniert".

Hochsensible Bürgerdaten

Die Rolle des BRZ als zentraler IT-Dienstleister des Bundes hält Schmidt für gerechtfertigt. Viele Länder würden Österreich darum beneiden. "Das BRZ arbeitet im hoheitlichen Bereich mit hochsensiblen Bürgerdaten. Es ist verständlich, dass sich der Bund hier einen Partner wünscht, in deren Organisation er als Eigentümer steuernd eingreifen kann." Und, fügt er hinzu, "auch als Bürger würde ich mich nicht sehr wohl fühlen, wenn beispielsweise meine Daten irgendwo in Texas verwaltet werden würden."

Für 2005 steuert das BRZ laut Schmidt einen Umsatz von rund 200 Millionen Euro an. Mit Aufträgen aus Bund, Länder und Gemeinden. (Karin Tzschentke, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.8.2004)

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