Harte Kritik

3. September 2004, 17:55
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Das Pentagon hatte keinen wirklichen Plan, wie es den Irak nach dem Sturz Saddam Husseins verwalten sollte - von Markus Bernath

„Was Sie mir beschreiben, klingt wie eine Verletzung der Genfer Konventionen", hatte der stellvertretende US- Verteidigungsminister Paul Wolfowitz, einer der Hauptantreiber des Irakkriegs, recht erstaunt erklärt, als US-Senatoren in einer Anhörung von ihm wissen wollten, ob er Bilder eines nackten, in einer schmerzhaften Position gefesselten Gefangenen mit verhülltem Haupt als mit internationalem Recht vereinbar betrachte.

"Was Sie mir beschreiben, klingt wie eine ziemlich stümperhaft geführte Behörde", könnte Wolfowitz heute sagen, nachdem eine Untersuchungskommission den roten Faden aufgewickelt hat, der zu den Gefangenenmisshandlungen im Irak führte, und die dabei im Pentagon angelangt ist.

Der Bericht des früheren Pentagon-Chefs James Schlesinger legt eklatante Mängel im größten und mächtigsten Ministerium der US-Regierung offen: Mangel an vorausschauender Planung, an personeller Ausstattung, an klaren Anweisungen, Mängel bei der Aufsicht der ausführenden Soldaten.

Das trifft nicht allein auf die Zustände im US-geführten Gefängnis Abu Ghraib bei Bagdad zu. Der Schlesinger-Bericht wird zwei grundsätzlichen Vorwürfen an der Führung des Irakkriegs durch den heutigen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld neue Nahrung geben: dass der Angriff auf den Irak im März vergangenen Jahres mit fahrlässig wenigen Truppen durchgeführt worden war; und dass das Pentagon keinen wirklichen Plan hatte, wie es den Irak nach dem Sturz Saddam Husseins verwalten sollte.

Die harte Kritik am Pentagon reiht sich ein in die anderen Enthüllungen über die Arbeit der Regierung von George W. Bush - den Bericht der 9/11-Kommission oder die Bloßstellungen durch David Kay, den von der Regierung bestellten Waffensucher im Irak, der nie etwas fand. Einige der Herausforderungen durch den 11. September hat die Bush-Regierung nicht bestimmt, andere - wie den Irakkrieg - hat sie selbst gewählt. (DER STANDARD, Printausgabe, 26.8.2004)

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