Ein-Euro-Jobs in Deutschland ab Herbst

20. September 2004, 16:41
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Regierung will mit geförderten gemeinnützigen Tätigkeiten Arbeitslosenstatistik entlasten - Run auf Zeitarbeitsfirmen setzt ein

Bereits ab Oktober will die deutsche Bundesregierung so genannte Ein-Euro-Jobs anbieten. Die Vorbereitungen dafür laufen bereits bei der Bundesagentur für Arbeit. Demnach sollen in einem ersten Schritt 50.000 Arbeitslose für gemeinnützige Tätigkeiten etwa in Kirchen und kommunale Einrichtungen zusätzlich zur staatlichen Unterstützung ein bis zwei Euro pro Stunde bekommen. Der beabsichtigte Nebeneffekt: Teilnehmer des Programms sollen bei mehr als 15 Wochenarbeitsstunden aus der Arbeitslosenstatistik herausfallen.

Job für jeden fünften Langzeit-Arbeitslosen

Wirtschaftsminister Wolfgang Clement rechnet damit, dass jedem fünften Langzeitarbeitslosen ein so genannter Ein-Euro-Job angeboten werden kann. Nach den Worten Clements sollen die Stellen von der Bundesagentur für Arbeit (BA) mit bis zu zwei Euro pro Stunde gefördert werden. "Das führt mit der Grundsicherung zu Nettoeinkommen zwischen 850 und 1000 Euro pro Monat", sagte Clement. Mit Grundsicherung ist die Arbeitslosenhilfe gemeint, die mit Inkrafttreten der Arbeitsmarktreform Hartz IV ab Jänner 2005 für jeden, der länger als ein Jahr arbeitslos ist, 331 Euro in Ost- und 347 Euro in Westdeutschland ausmacht. Clement rechnet somit, dass insgesamt 600.000 ein Ein-Euro-Job angeboten werden können.

Die Bundesagentur meint dagegen, dass im Rahmen einer "Initiative für die zusätzliche Beschäftigung von Arbeitslosenhilfebeziehern" insgesamt etwa 100.000 Arbeitslose beschäftigt werden. Neben den etwa 50.000 gemeinnützigen Arbeitsgelegenheiten sollen auch etwa 25.000 Arbeitslose in bestehenden Sonderprogrammen für Jugendliche und Langzeitarbeitslose unterkommen. Für weitere 25.000 seien "berufsbezogene Maßnahmen zur Stärkung der Sprachkompetenz von Personen mit Migrationshintergrund" geplant.

Pauschale

Für die gemeinnützige Arbeit sollen die Beschäftigungsträger laut BA-Unterlagen pro Teilnehmer eine Pauschale von höchstens 500 Euro monatlich erhalten, die eine Mehraufwandsentschädigung für die Arbeitslosen von höchstens 1,50 Euro pro Arbeitsstunde enthalte. Die Förderdauer solle sechs bis zwölf Monate betragen.

Mit dem Inkrafttreten von Hartz IV 2005 ist auch der Zwang, jede angebotene Stelle anzunehmen, verbunden. Wer sich weigert, dem wird das Arbeitslosengeld gekürzt. Aus Furcht vor Leistungskürzungen bewerben sich schon jetzt immer mehr Arbeitslose bei Zeitarbeitsfirmen. Die Bewerberzahlen hätten schlagartig zugenommen, berichtet die Zeitarbeitsfirma Adecco. Dies gelte bundesweit, besonders aber in Ostdeutschland. "Wir spüren es, dass Hartz IV dahinter steht", so ein Sprecher. (Alexandra Föderl-Schmid aus Berlin, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.8.2004)

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