Höhere Zahl von Hanta-Virus-Infektionen in Österreich

1. September 2004, 13:52
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Heuer schon 39 Fälle von Puumala-Hanta - Übertragung erfolgt durch Rötelmäuse

Wien/Klagenfurt/Graz - Ein potenziell gefährliches Virus geht in Österreich um: Die Spezialisten vom Institut für Virologie in Wien haben in diesem Jahr schon 39 Infektionen von Menschen mit dem Puumala-Hanta-Virus registriert, das über Rötelmäuse übertragen wird. In den vergangenen Jahren waren es jeweils nur sieben bis 16 Fälle, berichtete jetzt Dr. Stephan Aberle in der neuesten Ausgabe der Virusepidemiologischen Information des Instituts. In Österreich kommt die Krankheit vor allem in Kärnten und in der Steiermark vor.

"In diesem Jahr konnten bereits 39 Puumalavirus (eine Art von Hanta-Viren, Anm.)-Infektionen diagnostiziert werden. Das ist ein starker Anstieg im Vergleich zu den letzten Jahren, in denen zwischen sieben bis 16 Infektionen jährlich erfasst wurden. Die saisonale Verteilung der 98 Puumala-Fälle der letzten zehn Jahre zeigt, dass die meisten Infektionen im Spätsommer und Herbst aufgetreten sind. Umgerechnet auf die heurige Saison könnte das bedeuten, dass dieses Jahr mit bis zu 80 Fällen zu rechnen ist", schrieb Aberle.

Ursachen des Anstiegs

Der Experte weiter: "Dieser enorme Anstieg in diesem Jahr lässt sich durch eine verbesserte Aufklärungsrate sowie durch eine periodisch vorkommende Populationszunahme des natürlichen Wirtes, der Rötelmaus, erklären. In den letzten Jahren führten die diagnostizierten Puumala-Fälle in den verschiedensten Spitälern, vor allem in den bekannten Endemiegebieten Kärntens und der Steiermark, zu einer zunehmenden Kenntnis des klinischen Bildes dieser Virusinfektion." Das habe die Voraussetzung für den Nachweis der zahlreichen Fälle in diesem Jahr geschaffen.

"Der enorme Unterschied in der Anzahl der erfassten Fälle zwischen dem Vorjahr, 2003 mit nur sieben Fällen, und dem heurigen Jahr, 2004 mit möglicherweise über 80 Fällen, kann aber nur mit einer Zunahme der Populationsdichte des natürlichen Reservoirs, der Rötelmaus, erklärt werden."

Die Überträgerin

Die Rötelmaus ist in Wäldern, hier vor allem am Waldrand, in ganz Österreich beheimatet. Nur diese Mäuse können mit dem Puumalavirus auf Dauer infiziert werden und es mit Harn, Kot und Speichel ausscheiden. Die Ansteckung des Menschen erfolgt üblicherweise durch Aerosol-Inhalation von eingetrockneten virushältigen Exkrementen.

Personen, die sich in ihrer Freizeit oder aus beruflichen Gründen in den Lebensbereich der Rötelmaus begeben, wie Förster, Jäger, Waldarbeiter und Landwirte, haben ein erhöhtes Infektionsrisiko. In Österreich sind sehr häufig nicht ganzjährig bewohnte Häuser oder Hütten (Ferienhäuser, Almhütten, Jagdhütten) in Waldrandnähe in Seehöhen über 800 Meter, oder Schuppen und Nebengebäude der wahrscheinlichste Ansteckungsort.

Obwohl die Rötelmaus in ganz Österreich vorkommt, sind Puumalavirus Infektionen bisher hauptsächlich in Kärnten und der Steiermark nachgewiesen worden. Einige Puumala-Fälle wurden auch in Oberösterreich, Niederösterreich, Burgenland diagnostiziert und kürzlich auch zwei Fälle in Salzburg.

Symptome

Nach einer Inkubationszeit von zwei bis vier Wochen kommt es bei der Erkrankung zu hohem Fieber, Schüttelfrost, Muskel- und Kopfschmerzen. In der Folge werden häufig Bauch-, Lenden- und/oder Rückenschmerzen angegeben. Auch Übelkeit und Erbrechen sowie Durchfälle können in der Frühphase auftreten. Vier bis zehn Tage nach Krankheitsbeginn kann auch Nierenversagen eintreten. Die Sterblichkeit der Patienten wird mit 0,2 Prozent angegeben. (APA)

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