Debatte um die kleinen Cent-Münzen

14. September 2004, 20:04
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Im Euroraum wird die Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent-Münzen diskutiert. In den Niederlanden dürfen Einzelhändler ab September auf fünf Cent auf- und abrunden

Frankfurt/Wien – In den Niederlanden hat der Abschied von den Ein- und Zwei-Cent-Münzen bereits begonnen. Viele Supermärkte runden an den Kassen bereits den Endbetrag auf beziehungsweise ab. Vom 1. September an wird dies landesweit gelten: Dann dürfen alle Einzelhändler die Endbeträge an den Kassen auf fünf Euro-Cent auf- beziehungsweise abrunden.

Die neue Regel ist eine Empfehlung eines Beratungsgremiums aus Vertretern der niederländischen Zentralbank, des Einzelhandels, des Hotel- und Gaststättengewerbes, der Tankstellen, Banken und Verbraucherverbände. Zuvor war ein Modellversuch in der Kleinstadt Woerden bei Utrecht zum 1. Juli erfolgreich abgeschlossen worden. Dort hatten 83 Prozent der Konsumenten positiv auf das Runden der Endbeträge an den Kassen reagiert. Der Verband der Einzelhändler erhofft sich von der neuen Regelung jährlich Kosteneinsparungen von rund 30 Mio. Euro.

Diskussion auch in Deutschland

Die deutsche Regierung und die Bundesbank sehen hingegen derzeit keinen Grund für ein Preis-Rundungsgesetz, das die Ein- und Zwei-Cent-Münzen in Deutschland überflüssig machen würde. "Nur wenn von den Hauptakteuren – vor allem vom Einzelhandel – der Wunsch an uns herangetragen würde, würden wir das prüfen", sagte Finanzministeriumssprecher Stefan Giffeler am Dienstag.

Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) ist bisher aber strikt gegen ein Rundungs-Gesetz. Auch die Bundesbank sieht nach Angaben eines Sprechers bisher keine Gründe, von der Stückelung der Münzen abzugehen, hat die Diskussion darüber aber noch nicht abgeschlossen. Auslöser der Diskussion war die Knappheit an kleinen Cent-Münzen, die dem Einzelhandel mit seinen vielen auf neun Cent endenden Signalpreisen zu schaffen machte. In Anlehnung an die Niederlande prüft auch Belgien die Einführung einer Vorschrift zur Preisrundung, Finnland hat bereits bei der Euro-Einführung auf die kleinen Cent-Münzen verzichtet.

Österreich wartet ab

In Österreich hält der Kassenchef der Nationalbank, Stefan Augustin, die Debatte für "verfrüht". "Zwei Jahre nach der Bargeldeinführung sollte man sich mit solchen Entscheidungen noch Zeit lassen." Die Nationalbank nehme in der Diskussion eine eher pragmatische Stellung ein: "Wir stellen die Münzen her, der Markt entscheidet über die Akzeptanz." Sollte sich herausstellen, dass die Österreicher die Münzen nicht mehr wollten, wäre die Nationalbank "da sicher kein Hindernis".

Derzeit wäre das aber noch kein Thema. Die anlässlich der Euro-Einführung heftig geforderten Ein-Euro-Scheine wären mittlerweile nur noch Wunsch von 20 Prozent der Bevölkerung. "Das ist im Euro-Raum auch nicht mehrheitsfähig. Vor allem die nordischen Länder wollen das nicht," meint Augustin. (mimo, Reuters, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.8.2004)

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    Die Niederländer runden ab 1. September auf fünf Cent auf oder ab, auch die Deutschen diskutieren über den möglichen Abschied der Ein- und Zwei-Euro-Münzen.

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