Ab Herbst: Eine Nummer für Festnetz, Handy, Fax und Co.

1. September 2004, 10:41
10 Postings

Electronic Number Mapping soll Brücke zwischen Internet und Telefonie herstellen - Druck auf Telekombetreiber wird zunehmen

Die Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR-GmbH) hat heute einen Vertrag mit enum.at zum Betrieb von österreichischen ENUM-Domains abgeschlossen und ermöglicht damit die Einführung von kommerziellen ENUM-basierten Internetdiensten. Österreich wird dadurch weltweit zum Vorreiter bei der Realisierung dieses konvergenten Internetdienstes, der VoIP-Anwendungen (Voice over IP) und herkömmliche Telefonie verbindet.

Zusammenwachsen

"Isoliert bestehende 'VoIP-Inseln' im Internet können auf dieser Basis zusammenwachsen und auch von Teilnehmern im Telefonnetz erreicht werden, die mit ihrem Telefon keine Internetadressen 'wählen' können", erklärte Georg Serentschy, Geschäftsführer der RTR-GmbH, am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Telekommarkt dürfte sich durch diese neuen Dienste weiter verschärfen

Noch im Herbst – angepeilt ist November – soll es erste Angebote von Telekombetreibern für die "elektronische Visitenkarte" geben. Der Wettbewerb am heimischen Telekommarkt dürfte sich durch diese neuen Dienste weiter verschärfen, da durch Internet-Telefonie die Gesprächskosten deutlich sinken.

Anrufumleitung

"Unter ENUM kann man sich – sehr vereinfacht gesprochen – ein Art Anrufumleitung vorstellen, bei der man beispielsweise auch ein E-Mail an dieselbe Rufnummer senden kann. Das E-Mail wird dann auf die tatsächliche E-Mail Adresse 'umgeleitet'", so Serentschy. Damit dies auch funktioniert, muss der Teilnehmer eine ENUM-Domain besitzen und die entsprechenden Daten eintragen. ENUM (Electronic Number Mapping) führt damit das bisherige Telefonnetz mit dem IP basierten Internet zusammen. Sichergestellt werden müsse allerdings, dass nur der nutzungsberechtigte Teilnehmer einer Telefonnummer auch die zugehörige ENUM-Domain bekommt. Diese so genannte Validierung sei vertraglich geregelt.

Bedarf

"Die Forcierung von ENUM wird sicher einen ökonomischen Druck auf die Telekombetreiber erzeugen, aber es besteht Bedarf an Integrationsfunktionen zwischen der alten und neuen Welt", gab sich Michael Haberler, Vorstand der Internet Privatstiftung Austria (IPA), 100-prozentige Mutter der enum.at, überzeugt. Mittelfristig werde es zu einer Verschiebung von Umsatzanteilen kommen und eine fixe Zugangsgebühr die variablen Gesprächskosten ablösen. "ENUM ist so etwas wie die endgültige Rufnummernportabilität und ermöglicht auch das Unterlaufen von Roaminggebühren", so Haberler.

Schub für die Internet-Telefonie

Einen deutlichen Schub für die Internet-Telefonie erwartet sich auch Robert Schischka, Geschäftsführer von enum.at, einer "Schwester" der österreichische Registrierungsstelle für Internet-Domains nic.at. "Zusätzlich erlaubt ENUM eine einzige Nummer für verschiedenste Kommunikationsdienste zu verwenden – egal ob man telefoniert, faxt, mailt, chattet oder eine Nachricht auf der Voicemail-Box hinterlassen will. Man erreicht den Empfänger unter ein und derselben Nummer", so Schischka. Der User legt seine Kontaktdaten wie Mobil- und Festnetznummern, E-Mail-Adressen oder Websites in einem Verzeichnis ab und kann sie selbst pflegen.

Ende 2007

Der zwischen der RTR-GmbH und enum.at GmbH abgeschlossene Vertrag delegiert Registrierung und Verwaltung der österreichischen ENUM-Domains befristet bis Ende 2007 an die enum.at GmbH. Ob es dann zu einer Neuausschreibung kommt, ist noch offen. (APA)

Share if you care.