Alitalia-Chef warnt: "Nur noch 20 Tage zur Abwendung des Konkurses"

8. September 2004, 13:49
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Einigung bis 15. September erforderlich - Aktienkurse der Airline brechen an der Mailänder Börse ein

Rom - Der Chef der krisengeschüttelten italienischen Fluggesellschaft Alitalia, Giancarlo Cimoli, warnt vor einem Zusammenbruch der Airline binnen 20 Tagen, sollten die Gewerkschaften seinem Sanierungsplan nicht zustimmen. Cimoli verhandelt seit Montag mit den Arbeitnehmerorganisationen um einen den Rettungsplan zur Abwendung des Konkurses.

Sollte es bis zum 15. September zu keiner Einigung kommen, soll Alitalia unter Insolvenzverwaltung gestellt werden, hieß es in Regierungskreisen. Mit der Insolvenzverwaltung könnte das Alitalia-Management auch ohne das Grüne Licht der Gewerkschaften Maßnahmen zur Rettung der Fluggesellschaft ergreifen - etwa massive Stellenkürzungen. Nach dem Nahrungsmittelkonzern Parmalat wäre Alitalia das zweite Großunternehmen, das in Italien binnen weniger Monaten unter Insolvenzverwaltung gestellt wird.

Enttäuschende Ergebnisse

Am Montagabend hatte Cimoli vor den enttäuschenden Ergebnissen der Alitalia im August gewarnt. Die Differenz zwischen den Planzahlen und den tatsächlichen Einnahmen in den ersten drei Augustwochen betrug 17 Mio. Euro, teilte Cimoli, mit. Wegen dieser Äußerungen von Cimoli gerieten die Alitalia-Aktien an der Mailänder Börse stark unter Druck. Am Vormittag meldeten sie Kurseinbrüche von bis zu 6,15 Prozent auf 0,19 Euro.

Cimoli berichtete, dass die Ausgaben für jeden Alitalia-Passagier um 40 Prozent höher seien als bei der Low Cost-Gesellschaft Easyjet und um 60 Prozent höher als bei Ryan Air. Der Alitalia-Chef will stark auf Produktivität setzen, um die Konkurrenzfähigkeit der Airline zu steigern. So soll auf Langstreckenflügen künftig die Anzahl der Piloten verringert und auf Flügen mit über 10.000 Kilometer statt bisher vier nur noch drei Co-Piloten eingesetzt werden. Die Ausgaben für das Personal, das in Hotels übernachtet, werden dem Plan zufolge gedrückt, Bordzeitschriften und Sponsoringtätigkeiten gestrichen.

Gewerkschaften zeigen Bedenken

Die Gewerkschaften zeigen Bedenken über Cimolis Sanierungsplan. Sein Ziel ist, dass die angeschlagene Fluggesellschaft 2006 ein ausgeglichenes Ergebnis erreicht und danach wieder schwarze Zahlen schreibt. Rund 880 Mio. Euro sollen bis 2008 durch Rentabilitätssteigerung und durch die Ausweitung der Kurz- und Langstreckenflüge gewonnen werden.

Angaben über die zu streichenden Arbeitsplätze gab Cimoli vorerst nicht bekannt. Mit 22.000 Beschäftigten weist Alitalia auch im Vergleich mit den europäischen Konkurrenten einen deutlichen Überhang auf. "Um zu überleben, müsste Alitalia das Personal halbieren", mahnen Experten.

Mit dieser Schocktherapie hofft Cimoli, bis Ende dieses Jahres bis zu 53 Mio. Euro einzusparen. Weitere 205 Mio. Euro sollen durch eine strenge Sparpolitik bei den Akquisitionen, 363 Mio. Euro durch die Erweiterung der Flotte erwirtschaftet werden. Geplant ist 2004 eine Umsatzausweitung um 5 Prozent auf 4,31 Mrd. Euro. Cimoli kämpft gegen die Zeit. Er weiß, dass die Lage akut ist und dass er keine Minute verlieren darf. Die Verluste der krisengeschüttelten Fluggesellschaft kletterten im ersten Halbjahr 2004 auf ein Rekordhoch von 330 Mio. Euro.(APA)

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