Verdacht auf Insiderhandel

8. September 2004, 14:15
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FMA prüft Kursabsturz nach geplatztem Swisscom-Deal - Während einminütigem Kurssturz 550.000 Aktien gehandelt

Wien - Die Geschehnisse an der Wiener Börse rund um das Platzen des Telekom-Austria-Swisscom-Deals am vergangenen Donnerstag haben die Finanzmarktaufsicht (FMA) alarmiert, berichtet die "Presse" (Dienstagausgabe). "Wir nehmen routinemäßig jede größere Kursauffälligkeit unter die Lupe - also auch diese", zitiert das Blatt FMA-Sprecher Klaus Grubelnik.

Beobachter gehen laut Bericht davon aus, dass die FMA die Vorgänge genau unter die Lupe nehme, weil der Verdacht auf Insiderhandel nicht von der Hand zu weisen sei. Zwischen Bekanntwerden des geplatzten Telekom-Verkaufs und der Handelsaussetzung der Telekom-Aktie haben nämlich hunderttausende Aktien den Besitzer gewechselt. "Allein wegen des Imageschadens für den Finanzplatz Wien muss man alles genau prüfen", fordert der Präsident des Interessenverbandes der Kleinanleger (IVA), Wilhelm Rasinger.

Gleichzeitig informiert

Die ÖIAG hatte um 12.55 Uhr per E-Mail Medien, Wiener Börse und die TA gleichzeitig über das Scheitern der Verhandlungen mit Swisscom informiert. Der Handel mit TA-Aktien ist allerdings erst um 13.25 ausgesetzt worden, nachdem gleich nach 12.55 Uhr ein automatischer Stopp wirksam wurde, sobald die Kurssprünge der TA-Aktie begannen (Volatilitäts-Bremse).

Allein innerhalb des knapp einminütigen Kurssturzes nach Bekanntwerden der geplatzten Gespräche von über 14 auf 13,30 Euro je Aktie wurden rund 550.000 TA-Aktien gehandelt. Der Tagesumsatz lag bei zwölf Mio. Aktien. "Genau um diese Minute geht es", bestätigt Grubelnik.

Kritik

IVA, Investmentbanker und die Börse hatten Freitag kritisiert, der Handel sei zu spät ausgesetzt worden, weil die ÖIAG die Börse nicht rechtzeitig - und zwar "vorab" - informiert habe, wodurch es zu millionenschweren Kursverlusten gekommen sei. Die FMA hat laut "Presse" dazu erklärt, dass die ÖIAG selbst gesetzlich nicht verpflichtet sei, eine Handelsaussetzung zu beantragen. Das Börsegesetz nehme nur den Emittenten - in diesem Fall die TA - in die Pflicht.

"Die Telekom Austria konnte aber weder eine Handelsaussetzung beantragen noch eine entsprechende Ad-hoc-Meldung machen, weil die Swisscom-Verhandlungen außerhalb ihres Einflussbereichs lagen", betont Grubelnik.

Die Informationen über den geplatzten TA-Verkauf scheinen laut Bericht Beobachtern zufolge jedenfalls ungleich verteilt gewesen zu sein. Einige Verkäufer hätten offenbar schon vor der Handelsaussetzung Bescheid gewusst und entledigten sich noch bei halbwegs passablem Kursniveau ihrer TA-Papiere. Andererseits seien noch viele Kaufaufträge erfüllt worden, die vor Bekanntwerden des Abbruchs der Gespräche ins Handelssystem gestellt worden waren. (APA)

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    Die FMA nimmt die Vorgänge rund um das Platzen des Telekom-Austria-Swisscom-Deals genau unter die Lupe, weil der Verdacht auf Insiderhandel nicht von der Hand zu weisen ist

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