"Frauen haben mehr Mut"

6. Oktober 2004, 14:37
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Die Spanierinnen Rosa Martinez und Maria de Corral wurden zu den Direktorinnen der Biennale von Venedig 2005 ernannt: "Energieschub für Kunstschau"

Die Biennale von Venedig wird im kommenden Jahr erstmals von zwei Frauen geleitet. Der neu bestellte Präsident Davide Croff hat die Spanierinnen Rosa Martinez und Maria de Corral zu den Direktorinnen der internationalen Kunstschau ernannt.

Die 49-jährige Katalanin Rosa Martinez war vier Jahre Leiterin der Barcelona Biennal, Kuratorin der Manifesta Rotterdam, der Biennale Istanbul und der Biennale von Santa Fe. Im vergangenen Jahr zeichnete sie für die Wahl von Santiago Serra aus, der im spanischen Biennale-Pavillon eine Mauer hochzog: Einlass fand nur, wer einen spanischen Pass hatte ...

Die 62-jährige Madrilenin Maria de Corral leitete zehn Jahre lang die Stiftung La Caixa und war von 1991 bis 1994 Direktorin des Museo Reina Sofia von Madrid, wo sie unter anderem die große Retrospektive von Julian Schnabel kuratierte. Sie betreute 1986 den spanischen Pavillon auf der Biennale und leitet das Projekt für das neue Kunstmuseum in Santander. In Italien wirkte sie vor allem in der von Peter Weiermair geleiteten Galleria di Arte Moderna von Bologna als Kuratorin zahlreicher Ausstellungen.

Die beiden Direktorinnen seien "für alle Sektionen der Biennale verantwortlich" und hätten "bei deren Gestaltung volle Autonomie", versicherte Croff. Beide werden im kommenden Juni in zwei großen Ausstellungen unterschiedliche Aspekte der Gegenwartskunst zeigen. Maria de Corral will im Padiglione Italia den Bezug der neuen Kunst zur Vergangenheit deutlich machen, Rosa Martinez im Arsenale neuere und jüngere Tendenzen der Gegenwartskunst dokumentieren. Dritter Schwerpunkt wird ein internationales Symposium sein, das der New Yorker Künstler und Kritiker Robert Storr organisieren wird. Die Veranstaltung ist als Gedankenaustausch zwischen KünstlerInnen, KritikerInnen, TheoretikerInnen und ExpertInnen konzipiert und dient als Ausgangspunkt für die Biennale 2007, die ebenfalls von Storr betreut wird. Der Amerikaner war Kurator am MoMA in New York und hat selbst an der Biennale teilgenommen.

Bei ihrem Antrittsbesuch in Venedig demonstrierten die neuen Direktorinnen Selbstbewusstsein und Witz. "Es war höchste Zeit, dass die Biennale endlich Frauen zum Zuge kommen lässt", erklärte Rosa Martinez. "Wir haben hier eine historische Mission zu erfüllen. Unsere Ankunft wird der Kunstschau einen Energieschub verpassen."

Man werde "geographische und kulturelle Grenzen überschreiten" und "aufmerksamer als bisher auf das Neue in der Kunstszene achten". Maria de Corral äußerte die Überzeugung, "Frauen hätten mehr Mut, mehr Sensibilität und eine größere Bereitschaft, den Dingen auf den Grund zu gehen". De Corral: "Deshalb werden wir die Biennale alleine gestalten." (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 24.8.2004)

Gerhard Mumelter aus Venedig
  • Maria de Corral
    foto: standard/biennale
    Maria de Corral
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