Würmer speisen für Greencard

6. September 2004, 15:39
3 Postings

US-Shows suchen entführte Kinder und verlosen Aufenthaltserlaubnis

Während Deutschlands Private mit Brustvergrößern und Fettabsaugen beschäftigt sind, errichten amerikanische TV-Stationen ein ganz spezielles Paralleluniversum: "Recovery" heißt eine Show, in der entführte Kinder - und natürlich auch ihre Kidnapper gefunden werden sollen.

Was ähnlich klingt wie "Aktenzeichen XY ungelöst", nur eben mit Kindern, traut sich laut "Daily Variety" mehr zu: Ein Team ehemaliger CIA- und FBI-Beamter greift aktiv in ungelöste Fälle ein. CBS verspricht ein "emotionales und lebensveränderndes Ereignis". Erfunden hat "Recovery" Mark Burnett, ein Brite, der die TV-Wirklichkeit in den Staaten maßgeblich beeinflusst. Auf sein Konto gehen "Survivor" oder "The Apprentice", wo Donald Trump einen Spitzenjob vergibt. Medienaufmerksamkeit ist Burnett gewiss: Menschenrechtsorganisationen schrieen auf, noch vor dem Start der für Herbst geplanten, sechsteilige Show. Sie sehen die Kinder gefährdet und kritisieren selbstjustizlerische Tendenzen.

"Win the Green"

Die Einstellung verlangen Sozialverbände auch bei "Win the Green". Ähnlich wie in MTVs "Fear Factor" verspeisen Kandidaten Regenwürmer und Mistkäfer oder werden mit 500 Ratten in Plastiksärge gesperrt. Der Unterschied: Die Gepeinigten sind illegal eingewanderte Lateinamerikaner und spielen um eine Greencard. Die Produzenten freuen sich über hohe Einschaltquoten und verweisen auf eine riesige Warteliste. Als Preis winkt freilich nicht die Green Card selbst, sondern der beratende Anwalt für ein Jahr.

Ob die Zuschauer dauerhaft an dieser Art von Unterhaltung interessiert sind, wird sich zeigen. Zumindest der Sommerhit unter den Realityshows deutet auf harmlosere Vorlieben hin: "Amish in the City" zeigt fünf Sektenmitglieder, die wochenlang mit "normalen" Jugendlichen in Beverly Hills wohnen. (Doris Priesching/DER STANDARD; Printausgabe, 24.8.2004)

Share if you care.