Ölpreise steigen, Ticketpreise auch

8. September 2004, 13:45
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Viele Fluglinien führen befristete Kerosin­zuschläge ein - Auch AUA erhöht Zuschlag auf der Langstrecke auf neun beziehungs­weise zwölf Euro - Mit Infografik

Wien - Die auf neue Rekordstände gestiegenen Rohölpreise treffen die treibstoffintensive Luftfahrtbranche besonders hart. Zahlreiche Fluggesellschaften haben sich daher zur Einführung von befristeten Kerosinzuschlägen entschlossen, mit denen sie die Mehrkosten zumindest zum Teil auf die Fluggäste abwälzen. Weiters versuchen sich die Airlines mit im voraus vereinbarten Kaufpreisen für Treibstoff (so genanntes "Hedging") gegen steigende Treibstoffpreise abzusichern.

Die österreichische Austrian Airlines-Gruppe (AUA, Lauda Air, Tyrolean Airways/Austrian arrows) hebt mit kommendem Samstag (28. August) für jeden Langstreckenflug 9 Euro zusätzlich zum Ticketpreis ein, für Hin- und Rückflug sind das demnach 18 Euro zusätzlich. Für Australienflüge fallen 12 Euro pro Ticket an, während für Kurz- und Mittelstreckenflüge wie bisher je 6 Euro Kerosinzuschlag entfallen. Der Zuschlag war mit 24. Mai eingeführt worden.

Zehn Prozent der Gesamtkosten

Bei der AUA machten Treibstoffkosten aktuell rund zehn Prozent der Gesamtkosten aus. Bei Billigfluggesellschaften ist dieser Anteil naturgemäß höher, weil die Kostenstruktur generell geringer ist: Bei der Air Berlin fließen 20 Prozent der Gesamtkosten in Kerosin, im Vorjahr waren es noch 16 Prozent.

"Die Maßnahme ist temporär, wenn die Ölpreise signifikant sinken, werden wir die Zuschläge wieder zurücknehmen", sagte AUA-Sprecherin Livia Dandrea-Böhm zur APA. Für die Zukunft kann sie mögliche weitere Zuschläge freilich nicht ausschließen, man werde die Entwicklung der Ölmärkte und auch die Mitbewerber genau beobachten, kündigte sie an.

Swiss-Zuschläge noch höher

Die AUA liegt mit ihren Ticketzuschlägen zwischen 6 und 12 Euro pro Flug im europaweiten Vergleich im oberen Mittelfeld. Noch höher ist etwa der Zuschlag der angeschlagenen Schweizer Swiss, die ab Anfang September für Langstreckenflüge 20 Franken bzw. 13 Euro pro Flug einheben wird. Auch die Air France hat maximale Ticketaufschläge von 12 Euro angekündigt, die mit 1. September in Kraft treten.

Die deutsche Lufthansa, deren Star Alliance-Bündnis auch die AUA-Gruppe angehört, erhöht ab morgen, Dienstag, ihre Ticketpreise um zwischen 2 und 7 Euro je Strecke, nachdem sie bereits im Juni eine generelle Preiserhöhung um 3 Prozent eingeführt hatte. Die British Airways hat Anfang August ihre im Mai eingeführten Zuschläge für die Langstrecke von 4 auf 10 Dollar (8,13 Euro) mehr als verdoppelt, für die Kurzstrecke beträgt der Zuschlag weiter 4 Dollar (3,25 Euro).

"Versteckte" Preiserhöhungen

Einige Airlines verzichten bewusst und medienwirksam auf einen Kerosinzuschlag, um ihre Wettbewerbsposition zu verbessern. Die bei Billigairlines übliche gestaffelte Preisstruktur ermöglicht allerdings auch "versteckte Erhöhungen". Air Berlin erhöht für den Winterflugplan ihre Preise um 6 bis 9 Euro, das sei aber kein Kerosinzuschlag, sondern erfolge im Gleichklang mit anderen Airlines, hieß es. Wie bisher sollen 10 Prozent der Tickets zum Billigstpreis von 29 Euro verkauft werden. Auch andere Billigflieger verzichten (vorerst) auf einen Zuschlag, darunter auch die europäischen Marktführer Ryanair und EasyJet.

Wie stark sich die innerhalb weniger Monate um gut 50 Prozent höheren Einkaufspreise für den Flugzeugtreibstoff Kerosin auswirken, hängt von mehreren Faktoren ab - darunter der Größe und Zusammensetzung der Flotte, dem Streckennetz und nicht zuletzt auch dem Ausmaß, in dem sich eine Fluggesellschaft gegen steigende Preise abgesichert hat. Die AUA hat im ersten Halbjahr 2004 um rund 19 Mio. Euro mehr für Treibstoff ausgegeben als im Vorjahreszeitraum, bei British Airways betrugen die Mehrkosten schon 225 Mio. Pfund (334 Mio. Euro). Die AUA hat ihren Treibstoffbedarf für 2004 - rund 800.000 Tonnen - zu 35 Prozent abgesichert, die Lufthansa ihren Bedarf um rund 90 Prozent. Die angeschlagene Swiss verkaufte im ersten Quartal 2003 ihre Treibstoffabsicherung für 20 Mio. Franken (13 Mio. Euro), weshalb sie von den Preisanstiegen stärker getroffen wurde als andere Airlines.

"Tank-Tourismus"

Neben dem Hedging gibt es auch bei den Airlines einen gewissen "Tank-Tourismus": Auf der Mittel- und Kurzstrecke können Piloten selbst entscheiden, wie weit sie über den benötigten und per Computer errechneten Treibstoffbedarf hinaus Kerosin tanken wollen. "Das obliegt vollkommen dem Piloten", sagte AUA-Sprecherin Dandrea. Grundsätzlich sind zwar die Treibstoffkosten in Europa gleich hoch, doch die Ölfirmen heben ihrerseits an den Flughäfen Zuschläge in unterschiedlicher Höhe ein, woraus sich unterschiedliche Preise für die Airlines ergeben. Im Allgemeinen gilt: Je größer der Airport, desto günstiger ist der Treibstoff zu haben. Auf der Langstrecke lässt die limitierte Tankfüllung diesen Spielraum dagegen nicht zu. (APA)

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