Brücke zwischen Daten und Bedeutung

26. September 2004, 13:34
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TU-Informatiker Georg Gottlob entwickelte eine Vorstufe des Semantic Web

Der Wittgenstein-Preisträger Georg Gottlob ist Professor für Informatik an der TU Wien und Vorstand des Instituts für Informationssysteme. Sein Interesse gilt, höchst allgemein ausgedrückt, der Vereinfachung von nicht handhab- barer Komplexität.

Vorstufe

Diesem Zweck dient auch die von der TU Wien und dem Electronic Commerce Competence Center gegründete Spin-off-Firma Lixto Software, der Gottlob als wissenschaftlicher Leiter vorsteht. Lixto bietet, sagt Gottlob, "eine ,enabling technology', eine Vorstufe. Das Semantic Web setzt ja voraus, das alles im Netz in RDF (siehe Wissen) organisiert ist, das kann frühestens in zehn Jahren der Fall sein. Außerdem ist es nötig, die Sprache XML zu verwenden, die bedeutend schwieriger zu lernen ist als HTML, die heute schon 13-jährige beherrschen." Immerhin setze sich XML langsam durch, "tagged PDF"-Dokumente bieten bereits eine XML-Architektur an.

Brückenschlag

Die "Vorstufe" ist eigentlich ein Brücke: zwischen den reinen Webinformationen am Schirm, die von sich aus keine Bedeutung (Semantik) liefern, und einer schon mit Bedeutung ausgestatteten neuen Netzwelt. Dazwischen kann die in Wien entwickelte Software Lösungen für Anwender bieten, die auf bestimmte relevante Webinhalte vorstrukturiert Zugriff haben wollen. Lixto ist nicht, wie kürzlich geschrieben wurde, eine Suchmaschine, sondern es lehrt, wie Daten zu interpretieren sind.

Anwendung

Ein konkretes Beispiel: Die Firma Pirelli wollte aus allen Websites aller Händler auch der Konkurrenz die wichtigen Daten, also Preise, Rabatte, Aktionen einsehen. "Mit Lixto Software", sagt der TU-Informatiker, "kann man zu allen diesen Quellen navigieren, aus ihnen die jeweiligen Daten extrahieren, in XML übersetzen, handhabbar machen und auf die Schirme vom Pirelli-Marketing ständig up to date halten, vollautomatisch."

Ähnlich unterstützt Lixto den Zahnradkonzern ZF, Unternehmen in der Automobilbranche oder einen Finanzdienstleister in Schweden, der für ethische Investitionen Webquellen nach Problemen bei Firmen absucht.

Lixto ist nicht zu verwechseln mit "Screenscrapers", die bloß Daten vom Netz runterholen. "Wir bereiten sie so auf, dass die Endnutzer nachher nichts mehr programmieren müssen." (DER STANDARD Printausgabe, 23.08.04)

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