Höhepunkt des Aufschwungs bald erreicht

20. September 2004, 16:47
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Wirtschaftsforscher prognostizieren ein starkes zweites Halbjahr 2004 und eine merkbar abnehmende Dynamik schon 2005

Wien - "Wir rechnen 2005 mit einem Rückgang der Konjunkturdynamik im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2004, wobei weniger die negativen Wirkungen des hohen Ölpreises auf Österreichs Wirtschaft als vielmehr die nachlassende Dynamik der Weltwirtschaft dafür verantwortlich ist."

Stefan Bruckbauer von der volkswirtschaftlichen Abteilung der Bank Austria Creditanstalt sieht den Höhepunkt des aktuellen Konjunkturzyklus bereits zum Jahresende überschritten. So wie er sind immer mehr Analytiker der Meinung, dass der Aufschwung kürzer dauern wird als erhofft. Noch zu Jahresbeginn gingen viele Experten davon aus, dass erst 2005 oder gar 2006 die höchsten Wachstumsraten erreicht würden.

Signale für Abkühlung mehrern sich

Doch bereits jetzt mehren sich die Zeichen für eine spürbare Abkühlung der Weltkonjunktur: In den USA brachen mehrere wichtige Konjunkturindikatoren wie die Entwicklung des Einzelhandels spürbar ein, statt erwarteter 250.000 neuer Arbeitsplätze gab es im Juli nur knapp mehr als 32.000.

Und auch in Japan gab es schlechte Nachrichten: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im im Zeitraum April bis Juni im Vergleich zum Vorquartal nur um 0,4 Prozent gewachsen. Damit blieb die Entwicklung unterhalb der Erwartung der Analysten, die im Durchschnitt mit einem Plus von einem Prozent gerechnet hatten. In den vorangegangenen Quartalen betrug die Wachstumsrate 1,6 beziehungsweise 1,8 Prozent.

Überrascht zeigten sich Analysten von den relativ schwachen Firmenausgaben, die als wichtigster Wachstumsmotor gelten. Kurzfristig ist der Optimismus gestiegen: Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung soll heuer die Weltwirtschaft in diesem Jahr trotz der hohen Ölpreise so stark wachsen wie seit 25 Jahren nicht mehr. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechne in seiner noch unveröffentlichten Herbstprognose mit einem Plus von 4,9 Prozent, schrieb die Zeitung. Bereits im Frühjahr hatte der IWF seine Prognose für das globale Wachstum von 4,0 auf 4,6 Prozent angehoben. 2005 rechnet der Fonds dann nur noch mit einem Zuwachs von 4,4 Prozent. Risiko bleibe der Ölpreis.

"Leichte Stimmungsverbesserung"

Der monatliche Konjunkturindikator der BA-CA ist im Juli 2004 von 2,2 auf 2,4 und damit auf den höchsten Wert seit Ende 2002 gestiegen. "Sowohl bei der Industrie als auch bei den Konsumenten kam es erneut zu einer leichten Stimmungsverbesserung", sagte Stefan Bruckbauer von der BA-CA. So wie im Euroraum habe auch Österreichs Wirtschaft im zweiten Quartal an Fahrt gewonnen. "Wir erwarten ein Wachstum von rund 1,8 Prozent für das zweite Quartal, für das zweite Halbjahr rechnen wir mit über zwei Prozent", sagte Bruckbauer.

Der private Konsum sei weiterhin schwach, werde sich jedoch im Verlauf des zweiten Halbjahres verbessern, so die Ökonomen. Nach Ansicht der BA-CA machen sich derzeit die hohen Öl- und Rohstoffpreise noch nicht so stark bemerkbar, da sie durch die robuste Weltkonjunktur mehr als ausgeglichen werden. "2005 wird die weltwirtschaftliche Dynamik von vier auf drei Prozent zurückgehen. Damit wird der Export als Wachstumsmotor weniger stark wirken", so Bruckbauer weiter. "Insgesamt kostet der Ölpreisanstieg von 29 Dollar im Jahresdurchschnitt 2003 auf 40 Dollar im Jahresdurchschnitt 2005 0,75 Prozentpunkte Wachstum." (mimo, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.8.2004)

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    Auch die überhitzte Stahlkonjunktur soll sich im kommenden Jahr wieder abkühlen.

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