Deutsche Manager verweigern weiter Gehalts-Offenlegung

8. September 2004, 13:57
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Sehen sich erst durch entsprechendes Gesetz gebunden - Union uneinig über Notwendigkeit einer gesetzlichen Regelung

Hamburg/Berlin - Eine freiwillige Offenlegung der Managergehälter bleibt in vielen deutschen Chefetagen trotz wachsenden Drucks von Politik und Öffentlichkeit weiter tabu. "Nur wenn ein Gesetz die Offenlegung vorschreibt, reagieren wir", sagte ein BMW-Sprecher der "Welt am Sonntag". Die Mehrheit der befragten DAX-Unternehmen habe sich ähnlich geäußert, berichtete die Zeitung. In der Union herrscht Uneinigkeit darüber, ob Manager gesetzlich zur Offenlegung gezwungen werden sollen.

Der ehemalige Vorsitzende der Regierungskommission Corporate Governance, Theodor Baums, bekräftigte in der Zeitung, es gebe Absprachen unter Vorständen, die Offenlegung der Vergütung einzelner Vorstandsmitglieder auch in Zukunft zu boykottieren. Der Corporate Governance Kodex empfiehlt eine solche in anderen Ländern übliche Offenlegung. Bisher befolgt dies aber nur rund ein Drittel der DAX-Unternehmen, weswegen sich Forderungen nach einer entsprechenden gesetzlichen Regelung mehren. Baums erklärte, es zeige sich, "dass die Vorschrift zur vollständigen Offenlegung der Gehälter in ein Gesetz gehört".

Auch der Chef der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Ulrich Hocker, erklärte mit Verweis auf eine Absprache der Vorstände, nur mit einem Gesetz sei eine Offenlegung möglich. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries hatte vor wenigen Tagen den Willen der Bundesregierung für ein derartiges Gesetz unterstrichen, wenn die Unternehmen nicht bis Sommer 2005 die Kodex-Vorgaben einlösen sollten.

"Wir sehen auch nach der Äußerung von Frau Zypries keine Notwendigkeit, unsere Informationspolitik rasch zu ändern", hieß es der Zeitung zufolge bei Siemens. Ähnlich argumentierten demnach BASF, BMW, Daimler-Chrysler, Lufthansa und Münchner Rück.

CSU-Chef Edmund Stoiber, der angekündigt hatte, notfalls eine eigene Gesetzesinitiative auf den Weg zu bringen, begrüßte in der "WamS", dass eine Reihe von Unternehmen "doch konkret darüber nachdenkt, die Managergehälter detailliert zu veröffentlichen". CDU-Chefin Angela Merkel sprach sich ebenfalls für eine Offenlegung aus. Auch auf Grund der Arbeitsmarktreform Hartz IV, "wo Millionen Menschen Fragebögen über ihre wirtschaftliche Lage ausfüllen müssen, sollte das, was bei der Corporate Governance vereinbart wurde, Normalität werden", sagte sie.

CDU-Koch: Gesetz unnötig

Dagegen sagte der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU), er sehe für ein solches Gesetz keinen Handlungsbedarf. Da immer mehr Unternehmen diesen Schritt gingen, "wird sich das vernünftig einspielen, ohne dass wir auch für so etwas in Deutschland noch ein Gesetz brauchen".

Unterdessen gab ein weiteres DAX-Unternehmen die Bezüge des Vorstandsvorsitzenden preis: Adidas-Chef Herbert Hainer sagte im "Hamburger Abendblatt" (Samstagsausgabe), man könne sich ausrechnen, dass sein Gehalt "irgendwo zwischen 1,5 und 1,8 Millionen Euro liegt". Grundsätzlich lehne er die Veröffentlichung der einzelnen Vorstandsgehälter aber ab. "Wenn es zur Beruhigung unserer Republik beitragen sollte, werden sicherlich auch wir bei Adidas unsere Vorstandsgehälter freiwillig im Detail offen legen", sagte er. Insgesamt verdient der sechsköpfige Adidas-Vorstand demnach 7,5 Millionen Euro im Jahr. (APA/AP)

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