Wem gehört der Bodensee?

8. September 2004, 15:05
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"Heimat, deine Sterne" beim Young Directors Project der Salzburger Festspiele

Salzburg - Ein pflanzenlastiger Heimatabend besänftigt Muttersprachenbekenner in ihrem Furor: Heimat ist nämlich ohnehin die Fremde. Wir können die Sache also locker angehen! Das stand mit einer schönen Eichendorff-Vertonung am Ende eines Abends, den Schauspieldirektor Jürgen Flimm seinem früheren Hamburger Dramaturgen, Niklaus Helbling, auftrug. Beim Young Directors Project ist diese zur Nummernrevue geronnene Spaßcollage Heimat, deine Sterne aber deplatziert.

Vier Schauspieler und zwei Musiker exekutieren in dieser Uraufführung im "republic" den Nachlass einer fiktiven Persönlichkeit der internationalen Gärtnerszene und erzeugen Variationen des Zuhause-Gefühls. Ihre vier bunten Blütenkelchköpfe lassen die Semisänger aus dem Bühnenbeet ploppen (Ausstattung: Dirk Thiele). Am grünen Hochstand hängen die (Elektro-)Gitarren, die vorzugsweise unterm Gamsbart gezupft werden. Rechen schwingend geht's dann an die Bestellung des Ackers: "Ich finde, der Bodensee gehört mir!"

Sagt die Schweizerin. Der Ostdeutsche mümmelt DDR-Liedgut, als wäre gerade Arbeiterliedfest; der Wessi performt eine HipHop-Hymne auf Hamburg, und die Österreicherin ist Steirerin und Kürbisprinzessin.

Man hält aber zusammen, besucht die römisch-deutsche Baumschule und kommt mit einem Guantanamera-Verschnitt (Guantánamo!) allmählich zum Tiefpunkt dieses niveaulosen Abends. Ein Mikrofon allein macht noch keine Stimme. Als Simpsons parodieren sie die Trapp-Familie, und in puncto historisch vorbelastete "Sortenhygiene" bei einer Apfelveredelungsshow bemüht man das Fernsehformat von "Dismissed".

Ein Abend jener theatralen Hobby-Gärtnerei, von der sich die Festspiele gern wortreich distanzieren. Eine große Pflanzerei. (Margarete Affenzeller/DER STANDARD, Printausgabe, 21./22.8.2004)

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