Bank Burgenland feiert "Trendwende"

8. September 2004, 13:43
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Probleme aus Swap-Geschäften sollen mit Hilfe des Landes gelöst werden - Personalstand wird verringert - Dividende vor Vorzugsaktien

Eisenstadt - Die Bank Burgenland hat die Trendwende geschafft, berichteten die Vorstandsmitglieder Wolfgang Ulrich und Gerhard Nyul der Hauptversammlung Freitag Nachmittag in Eisenstadt. "Der Großteil der Probleme, die wir hatten, sind bereinigt", betonte Ulrich. Strukturprobleme aus Swap-Belastungen von 14 Mio. Euro sollen mit Hilfe des Hauptaktionärs, des Landes Burgenland, gelöst werden. Dazu werde es notwendig sein, Gespräche mit dem Land zu führen, kündigte Aufsichtsratsvorsitzender Christoph Herbst an.

"Wir gehen davon aus, dass uns das Land nicht im Stich lassen wird, weder materiell noch ideell", meinte Ulrich. Die Neustrukturierung der Bank sei abgeschlossen, es gebe ein profitables Firmen- und Privatkundengeschäft und sowohl beim Personal als auch beim Sachaufwand werde eingespart. "Wir haben keine Leichen im Keller. Die Leichen, die wir hatten, sind beweint und bestattet."

Mitarbeiterstand wird verringert

Laut Vorstandsdirektor Nyul soll der Mitarbeiterstand im Bankbereich bis Jahresende um 30 auf 274 verringert werden, Außerdem laufen intensive Verhandlungen mit dem Betriebsrat zur Einführung eines leistungsorientierten Besoldungssystems. Auch eine Betriebsvereinbarung über ein Jahresarbeitszeitmodell wird angestrebt. Zieltermin zur Umsetzung dieser Maßnahmen: 15. Dezember.

Die Hauptversammlung beschloss, eine Mindestdividende an Vorzugsaktionäre von 6 Prozent auszuschütten, sowohl für das Jahr 2003 als auch für 2002 und 2001. Zu Abschlussprüfern für das Geschäftsjahr 2005 wurden die Wirtschaftsprüfungskanzleien PKF Centurion und KPMG Alpen-Treuhand bestellt, die die Bank seit dem Jahr 2000 begleiten.

Spareinlagen stagnieren

Das Betriebsergebnis der Bank Burgenland hat sich 2003 mehr als halbiert, von 9,1 Mio. Euro auf 4,4 Mio. Euro. Als Jahresüberschuss werden 3,7 Mio. Euro (2002: 1,3 Mio Euro) ausgewiesen. Ohne die Schadenersatzzahlungen ehemaliger Wirtschaftsprüfer im Ausmaß von 8,3 Mio. Euro hätte die Bilanz 2003 freilich einen Verlust ausgewiesen.

Gut entwickelt hat sich laut Vorstand Gerhard Nyul das Neugeschäft. Die Forderungen an Kunden erhöhten sich um 6,9 Prozent auf 2,3 Mrd. Euro; der Marktanteil der Bank Burgenland im Kommerzbereich betrug 30 Prozent. Als "Wermutstropfen" in der Bilanz bezeichnete Nyul die Tatsache, dass sich die Spareinlagen mit rund 370 Mio. Euro (minus 1 Prozent gegenüber 2002) konstant gehalten haben. Es sei nicht gelungen, ein Spareinlagenwachstum zustande zu bringen. "Hier ist noch anzusetzen."

Im ersten Halbjahr 2004 wurden im Firmenkunden-Neugeschäft 170 Mio. Euro erzielt und im Privatkunden-Neugeschäft 40 Mio. Euro.

Für den Umstand, dass die Bank Burgenland letztlich nicht an die Kärntner Hypo Alpe Adria Bank verkauft wurde, hat es mehrfache Gründe gegeben, wie AR-Vorsitzender auf Anfrage eines Aktionärs erklärte. Das Land habe eine Sicherheit für die Bank haben wollen und habe außerdem Bedingungen, die von Käuferseite gestellt worden sind, nicht akzeptiert.

Klage gegen BA-CA nach wie vor offen

Die Klage gegen den früheren Mitaktionär Bank Austria Creditanstalt ist nach wie vor offen. Das könne in die eine oder andere Richtung gehen, stellte Herbst fest. Die Bank Burgenland habe sich aber als Privatbeteiligter an einem Strafverfahren gegen den früheren AR-Vorsitzenden Werner Frantsits angehängt. Das Verfahren sei derzeit im Stadium der Vorerhebung.

Der burgenländische Rechtsanwalt Werner Dax (Jahrgang 1967) wurde von der Hauptversammlung bis zum Ablauf der Funktionsperiode 2005 in den Aufsichtsrat der Bank Burgenland gewählt. Das bisherige AR-Mitglied Gottfried Wanitschek ist aus dem Aufsichtsrat ausgeschieden. (APA)

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