ÖIAG weist Schuld an verspäteter Handelsaussetzung zurück

8. September 2004, 14:12
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Während einminütigem Kursverfall noch mehr als 550.000 Aktien verkauft - Nach Handelsaussetzung Aktien schlagartig zwischen 15 bis 18,5 % weniger wert - Millionenschaden für Anleger

Wien - Durch die verspätete Handelsaussetzung von Telekom Austria (TA)-Aktien am Donnerstag nach dem Bekanntwerden des geplatzten Swisscom-Deals ist für zahlreiche Anleger enormer Schaden entstanden. In Summe geht es um Kursverluste deutlich über einer Mio. Euro, die den Anlegern dadurch entstanden sind, dass an der Wiener Börse nicht vor Bekanntgabe des Scheitern der Handel in diesen Titeln unterbrochen wurde.

Rasinger: Schuld der ÖIAG

Kleinaktionärsvertreter Wilhelm Rasinger spricht im Zusammenhang mit dem geplatzten Verkauf von einer "Aneinanderreihung von Peinlichkeiten". Zur verspäteten Aussetzung der TA-Aktie meinte er: "Das passt zu dieser verunglückten Aktion." Seiner Ansicht nach hätte am Donnerstag noch vor Börsestart eine Handelsaussetzung beantragt werden sollen, da eine wichtige Entscheidung über die Zukunft der TA anstehe. "Für mich ist das eindeutig der ÖIAG zuzurechnen. Den Herrschaften fehlt einfach das Gefühl für den Kapitalmarkt", meint Rasinger.

"Peinlich"

Weiters ist der Kleinaktionärsvertreter der Auffassung, dass das ganze Übernahmekonstrukt nicht durchdacht gewesen ist. Man hätte mit politischen Widerständen rechnen müssen, zudem habe die Gesetzesdeckung für den geplanten Deal gefehlt. "Ich muss sagen: Peinlich, was sich hier abspielt - höchste Professionalität war das nicht", so Rasinger am Freitag zur APA.

ÖIAG: Handelsaussetzung a priori nicht möglich

Die ÖIAG weist die Kritik Rasingers zurück. Man habe am Donnerstag unmittelbar nach der Entscheidung über das Platzen des Swisscom-Deals gleichzeitig die TA, die Öffentlichkeit und die Wiener Börse informiert. Eine Handelsaussetzung zu beantragen, bevor das Ergebnis von Verhandlungen feststehe, sei nicht möglich, so eine ÖIAG-Sprecherin.

Automatische Volatilitäts-Unterbrechung

Nach den ersten Alarmmeldungen in Agenturen am Donnerstag zu Mittag war der Kurs vom vorherigen Niveau knapp über 14,00 Euro auf 13,37 Euro abgesackt, ehe eine automatische Volatilitäts-Unterbrechung den laufenden Handel gestoppt hat.

Während des knapp einminütigen Kurssturzes gingen über 550.000 TA-Papiere mit einem Transaktionswert von mehr als 7,6 Mio. Euro um. Darauf setzte die Wiener Börse TA-Aktien bis 15:30 Uhr - eine Stunde nach Beginn der ÖIAG-Pressekonferenz - gänzlich vom Handel aus. Nach der Wiederaufnahme waren die Telekom-Aktien jener Investoren, deren Kaufaufträge knapp vor der Aussetzung erfüllt worden waren, schlagartig zwischen 15 und etwa 18,5 Prozent weniger wert. Zu Sitzungsende notierte die Aktie bei nur noch 11,40 Euro.

Eine zeitgerechte Handelsaussetzung vor der Bekanntgabe des Scheiterns der Verhandlungen mit Swisscom hätte diesen Fall von ungleicher Informationsverteilung verhindern können. Denn während die Verkäufer vor der Handelsaussetzung über den geplatzten Deal offenbar bereits informiert waren, wurden noch viele Kaufaufträge erfüllt, die vor dem Bekanntwerden des Scheiterns der Verhandlungen ins Handelssystem gestellt worden waren. Um das zu verhindern, wird im Zuge einer Handelsaussetzung generell das gesamte Orderbuch in der entsprechenden Aktie gelöscht. (APA)

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