Betriebsversammlungen nächste Woche finden statt

8. September 2004, 14:13
posten

Zur Information über die Turbulenzen - Störungen im Betriebsablauf erwartet - Postgewerkschaft fordert Grasser-Rücktritt

Wien/Linz - Obwohl der Verkauf der Telekom Austria an die Schweizer Swisscom am Donnerstag endgültig geplatzt ist, wird die Postgewerkschaft dennoch nächste Woche ab Dienstag wie geplant Betriebsversammlungen bei der Telekom abhalten. Dies erklärte Gewerkschaftschef Gerhard Fritz am Freitag. Die Gewerkschaft hatte gegen einen Verkauf der Telekom in die Schweiz sogar mit Streik gedroht. Das Scheitern des Deals bezeichnet Fritz als "Sieg der Vernunft". Die vernünftigen Teile der Bundesregierung hätten in letzter Minute die Notbremse gezogen und den Finanzminister "in seinem ideologisch motivierten Verkaufswahn gestoppt".

Dass es dennoch Betriebsversammlungen geben wird, begründet die Gewerkschaft damit, dass unter den mehr als 14.000 Telekom-Mitarbeitern nach den Turbulenzen "riesengroße Verunsicherung" herrsche. Die Mitglieder sollten daher über die Vorgänge der vergangenen Tage informiert werden. "Kampfansagen" werde es dabei naturgemäß "keine geben", so Fritz.

Störungen im Betriebsablauf erwartet

Der oberösterreichische Telekom-Betriebsratschef Willi Eidenberger erwartet für die Zeit der Betriebsversammlungen dennoch Störungen im Betriebsablauf. Es werde zwar kein Telefon abgeschaltet, aber es könnte zu Wartezeiten in den Callcentern, bei der Auskunft, bei Hotlines, in den Shops und bei der Störungsbehebung kommen. Anders als sein Gewerkschaftschef gibt sich Eidenberger auch nach wie vor kämpferisch: Mit weiteren "Aktivitäten" der Mitarbeiter sei zu rechnen, sollten die Verkaufspläne (der grundsätzliche Privatisierungsbeschluss für "bis zu 100 Prozent", Anm.) für die Telekom nicht zurückgenommen werden, so der Gewerkschafter am Freitag in einer Pressekonferenz.

Die Arbeitnehmervertreter wendeten gegen einen Verkauf von Staatsanteilen ein, dass die Telekom ein gewinnbringendes Unternehmen sei. Der Staat könne zwar durch den Verkauf eine einmalige große Einnahme verzeichnen, verliere aber die künftigen Dividenden. Bei der Fusion von Telekom und Swisscom hätte die ÖIAG durch Aktientausch Anteile an der neuen "Swisscom Telekom Austria AG" behalten. Nach Ansicht der Gewerkschaft wäre aber auch das nur "eine scheinösterreichische Lösung gewesen". "Die operativen Entscheidungen, das heißt, welche Konditionen, welche Dienste und Leistungen die Telekom Austria AG in Zukunft für die Österreicherinnen und Österreicher angeboten hätte, hätte ein von der Swisscom dominierter Vorstand entschieden", meint Fritz.

Nach der SPÖ hat am Freitag auch die Postgewerkschaft den Rücktritt von Finanzminister Karl-Heinz Grasser gefordert. Der Finanzminister habe "einem erfolgreichen, österreichischen Unternehmen den größtmöglichen Schaden zugefügt, den ein Eigentümer einem Unternehmen zufügen kann". Jeder Schritt der ÖIAG sei mit dem Finanzminister abgestimmt gewesen. "Nur der Loyalität seiner ÖIAG-Manager" habe es Grasser "zu verdanken, dass der volle Umfang der Misere des Finanzministers nicht ans Tageslicht kommt", meint Fritz.(APA)

Share if you care.